Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. Juni 1945 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19. Juni 1945

Fortsetzung.
Gestern, als die Nachricht kam, daß ich einen Brief mitgeben könnte, dachte ich gleich: das kann vielleicht gerade zum Geburtstag bei Dir sein! Und dann vergaß ich es ganz, es zu erwähnen. Das gibt Dir ein Bild meiner geistigen Verfassung. Dabei ist körperlich eigentlich kein Grund für den Verfall, abgesehen von der großen Magerkeit. Und ich bin auch immer ein wenig mit Lektüre beschäftigt, um nicht in der steten Hetzjagd nach dem nötigsten Tagesbedarf ganz zu verstumpfen. So lese ich Herrn v. Schoepffer öfters vor. Wir haben ein sehr interessantes Buch, das gerade in seiner Zeitlosigkeit sehr zeitgemäß ist: Urgeschichte der Menschheit von Lu. Emil Bock. Ich bin sehr davon gefesselt. – Von der anderen Zeitlosigkeit, der persönlichen, wollte ich Dir noch sagen, daß ich den letzten Brief von Dir vom 15. März bekam. Sonst nichts mehr. Ungefähr gleichzeitig das Letzte von meiner Schwester.
Nun also im Gedenken an den 27. ganz besonders herzliche Wünsche und innige Grüße!
Deine
Käthe.