Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Oktober 1945 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg, 21. Okt. 1945
Mein liebes Herz!
Es bietet sich eine wunderschöne Gelegenheit, Dir einen ganz persönlichen Gruß zu senden, und da bin ich sehr glücklich darüber. Fräulein Dr. D. ist hier wie ein hilfreicher Engel erschienen, brachte mir den Brief, den der Herr Generaldirektor nicht abgeben konnte, und war gestern ein gemütliches Stündchen bei mir. Sie traf mich in ziemlicher Auflösung, denn tags zuvor hatte ich einen Räumungsbefehl meiner Wohnung erhalten und mir sollte ein Zimmer (mit Möbeln u. ohne Heizung) zugewiesen werden, "zur Verminderung meiner Obdachlosigkeit". Ich konnte gleich durch Hedwig Mathy einen Herrn zur Vermittlung gewinnen, aber der Erfolg war natürlich zweifelhaft. Nun hat heute Frl. D. auf dem Amt für mich gesprochen und man hat ihr hoch und heilig versichert: es sei ein Irrtum und ich könne wohnen bleiben. – Überhaupt ist Frl. Dr. fort
[2]
|während für Dich und mich bedacht und tätig, wie Du ja von ihr selbst erfahren wirst. Was sich von allen Plänen realisiert, muß man abwarten. Schon die Möglichkeit gibt neuen Lebensmut. – Du kannst Dir denken, wie sehr mich die Wohnungssache erregt hat, aber ich sagte mir, in Anbetracht dessen, was Ihr beiden mit der treuen Ida, und was meine Geschwister und die weitere Verwandtschaft erlebt habt, ist es eine Kleinigkeit und ich will es tapfer bestehen. Dennoch ist es mir natürlich "ein Stein vom Herzen", daß ich nun mein eigenes Heim behalte. Wie herrlich aber wäre es, wenn es ihr auch gelänge, für Dich ein wünschenswertes Ziel zu erreichen. Am wenigsten Aussicht besteht wohl für hier, aber schon das andere ist verlockend und scheint mir dem Geist nach ganz das, was du immer wünschtest.
Wir schreiben eben bei Gunzerts, da hier eine Schreibmaschine benutzt werden durfte – und ich werde künftig durch den Herren Generaldirektor mal eine Nachricht schicken können – heut nur diesen Gruß und innigen Dank für die drei lieben Briefe. Inzwischen ist über M. wieder einer von mir an Dich unterwegs. Alles, was du zwischen den Zeilen lesen mußt, und viele <li. Rand> viele Wünsche für Euch. Möchte doch glücken, was so schön geplant ist! Das wünsche ich für Euch und mich. AEI in treuem Gedenken Deine Käthe.