Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Dezember 1945 (Heidelberg)


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<Brief teilweise sehr undeutlich – nicht richtig durchgedrückt, da im Liegen geschrieben>
Heidelberg, 2. Advent 45

von neuem:
No 1.
Mein einziger, geliebter Freund!
Eigentlich sollte ich Briefe beantworten, die schon länger kamen und mir Freude machten, aber es zieht mich doch zu sehr, Dir einmal wieder zu schreiben. Erst vor zwei Tagen ging der letzte Brief an Dich ab. Aber vorher, am 28. Nov. schrieb ich Dir auch. Oder war es schon der 18.? –  Die Tage fliegen in ihrer Einförmigkeit. Jedesmal habe ich erwähnt, was von Dir hier eingetroffen ist, aber es scheint, als ob Du manches nicht erhalten hast. So will ich nur noch einmal kurz bemerken: Ich bekam Deine Briefe vom 22.8. (Matussek?) 16.9. (von Dir) 27.9. (Gunzert) 7.XI. (Post) 12.XI. u. 25.XI (Post) – Demnach nichts aus dem Oktober. Ich weiß nur, daß ich lange, lange warten mußte. Nach der Aufhebung der Postschranken hatte ich so freudig und ausführlich geschrieben in dem Gefühl, daß nun wieder Zusammenhang in unsern Briefwechsel käme. Aber damit ist es nichts. Numeriert hast Du, wie es scheint auch nur manchmal. So die beiden letzten Briefe mit No 2 u. 3. – Vielleicht war No 1 im Oktober u. kam nicht zu mir. Daß dazwischen ein Brief verloren ist, steht fest. Hoffentlich hast Du ja nun aber das Schreiben von mir bekommen, in dem ich Dir von dem Projekt der Fräulein Dr. Dorer schrieb, das mir doch so am Herzen lag. Ich kann mir aber gut denken, daß das nur so eine Gemütsauffassung von mir ist und in der Praxis nicht geeignet. Vor allem geht es damit, wie es scheint, ebenso wenig vorwärts wie bei Euch. Hier in Heidelberg ist die Sache nun teilweise in Gang. Ich werde nächster Tage mal in der Augenklinik hören, mit welchem Erfolg.
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In meinem letzten Brief schrieb ich schon, daß ich nun heizen kann. Es tut auch not, denn morgens war im Zimmer und Küche nur 2°R. Das Öfchen macht seine Sache gut, aber es braucht viel Holz, und ich habe keines aus dem Wald holen können. So tröstet man sich immer wieder mit dem Gedanken an Briketts. – Jetzt weiß ich auch, warum ich so schwer zum häufigen Liegen kam. Es war zu kalt für den guten Lehnstuhl mit dem ausziehbaren Fußgestell und immer ins Bett gehn mag man nicht, noch dazu im völlig kalten Zimmer! – Von den Freunden sieht man wenig, jeder hat den ganzen Tag zu tun. Sehr in Sorge bin ich um das gute Ehepaar v. Schoepffer. Er liegt mit einer Blasenoperation im Krankenhaus Bethanien, und sie daheim an einer schweren Herzattacke. Wenn ich doch nur mal für eine Stunde bei Euch sein könnte! Ich hätte so viel zu fragen. Ich kann mir gut denken, wie sehr Susanne in Anspruch genommen ist. Merke ich doch auch in meinem Kleinbetrieb die große Erschwerung des Haushaltens. Ob Ihr bei der Lebensmittelkarte die gleichen Nöte habt wie wir hier? Immerhin kommt doch bei uns viel durch Kartoffeln und Gemüse dazu. – Und die großen Fragen für Dich und das Ganze kann man nur still im Sinn tragen und hoffen.
Nun zum Schluß noch etwas Erfreuliches: Emmy Fr. hat geschrieben! Sie sind alle wohl, konnten auf der Insel bleiben, als Geschäftsleute, sonst sind alle bis auf wenige Oberzeller evakuiert. Sie fragt sehr nach Dir. – Bald mehr. Heute noch viele Grüße und innige Wünsche in beständigem Gedenken.
Deine Käthe.

[li. Rand] Benutze doch die Socken von mir als Bettstrümpfe, das macht die Füße warm. Habt Ihr keine Wärmflasche? Ach, daß man nichts schicken kann!