Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Juni 1946 (Berlin/Dahlem, Postkarte)


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Dahlem, den 26. Juni 46.
Meine einzige Freundin!
4 liebe Sendungen (Brief eingeschlossen) sind eingetroffen. Und jede ist ganz und freudig in die Seele aufgenommen worden. Du wirst sagen: darauf nur eine Karte? Aber ich bitte Dich, ev. jetzt sogar auf eine unerwünschte Pause des Briefverkehrs gefaßt zu sein. Möge meine Hoffnung, daß dann die Freude um so größer wird, nicht trügen!
Baethgen hat mir leider viel zu wenig von Dir sagen können. Aber das ist ja verständlich: mehr als das Äußere geht über solche Wege nicht. Daß ich jetzt so viel Bilder von meiner 2. Heimat sehe, ist tröstlich gegenüber der ersten. Alles schneidet tief in das Fleisch. Das man nicht mehr hat. – Um Matussek mache ich mir ernste Sorge; denn er wird nicht nachgeben können und wollen. Wie geht das Schicksal mit wertvollen Menschen um! – Es ist nun Zeit, die Seele zu retten, die bei mir ja immer am Leiblichen am stärksten mitbeteiligt ist.
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Denke auch an die arme Susanne, die diesmal – gegen alle Gewohnheit – nicht ganz verbergen kann, wie schwer alles ist. So, daß man noch nicht weiß, ob man es überhaupt zwingt. –
Jedoch:
Mir wird ein leiser Liebesgruß gesendet
O freud- und leidvoll schöner Lebenstraum.
In allen Schicksalen Dir nah
Dein treuester
Eduard.