Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Januar 1946 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.I.1946.

No 7.
erhalten u. bestätigt
No 9. vom 10.I.
Mein geliebtes Herz!
Gestern, Sonntagabend wollte ich schreiben, als der Füllfederhalter streikte und es kam nur zu zwei dicken Kleksen auf dem guten Bogen. Auch heute wird es (leider) kein Brief, denn ich habe einen etwas bei der Küchenarbeit verletzten Daumen und kann die Feder schlecht halten, außerdem eilt es, denn ich möchte den Zettel noch vor 10 (d. h. 22) in den Briefkasten bringen.
Was wäre auch zu berichten! Ich bekam Deinen lieben, letzten Brief rasch wie immer jetzt, aber nun warte ich natürlich mit innerer Unruhe. Denn es macht mir natürlich rechte Sorge, daß Du mit wenig gutem Befinden die Fahrt, den Vortrag und die Besprechungen und Entscheidungen unternehmen mußtest. Ich habe überhaupt immer schon gedacht, daß meine Besorgnisse um Dich sehr viel berechtigter sind als umgekehrt. Hoffentlich, hoffentlich sind in den kleinen Kalender erfreuliche Notizen gekommen!
Bei mir ist jetzt häufig etwas im Briefkasten und die Schreibschulden steigern sich bedrückend. Dabei würde ich sie doch so gern tilgen, denn es sind alles erfreuliche Beziehungen: Gertrud Kohler, Helga Saß-Hadlich (Essen) Lucie Ruge (Günthers Witwe) Oskar Klauser (der Schwiegersohn von Ernst Schwalbe) etc.
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| Und denke Dir, auch eine Karte mit Hermanns Schrift. Ich hoffte, nun käme er nach Deutschland zurück – aber die Karte war vom 12.III.45 – auf dem Schiff geschrieben! Helga schreibt, er leite die Lagerschule dort, Hedwig gäbe Religionsunterricht, und das Leben sei dort sonst auch erträglich. Die Arbeit wird ihnen eine Hilfe sein.
Hier habe ich mich mit der hiesigen Zeitschrift befaßt, finde aber den Stil von Alfred Weber recht beschwerlich. Dagegen las ich mit Befriedigung die Einführungsrede von Ebbinghaus zur Eröffnung der Marburger Hochschule. Aber ich zürne dem Schicksal, daß es Dir nicht die gleiche freie Rede und Tätigkeit in der geliebten Heimatstadt gewährte. Denn wie muß es dort sein, wenn Du fortstrebst. Ich hoffe nur das Eine, daß der Zeitpunkt dafür nicht schon zu spät ist. Wie sehr wünsche ich Dir eine Luft, in der Du atmen kannst, atmen und Dich in freier Wirksamkeit wohl zufühlen! Ist denn nur dazu der lange Druck von uns genommen, um ihn durch einen anderen zu ersetzen? – Hier klingt in den Äußerungen der Herrn Professoren als Grundton: wir können nicht wissen, was daraus wird.
Hoffentlich hat Susanne sich nicht so große Mühe gemacht mit dem Büchlein. Ich bin ja so zufrieden, daß es bei Euch ist und nicht im oberen Stockwerk. So behalte es nur, bis Du es gelegentlich mal lesen magst.
Meine Arbeit in der Augenklinik ist mühsam und nicht restlos gedeihlich. Aber es wird schon werden!
Und nun für heute genug des Gekritzels! Von ganzem Herzen grüße ich Dich! Gut, daß die Kälte nachließ für Deine Fahrt und überhaupt. Bleibe mir nur gesund!
<li. Rand>
An Susanne und Ida herzliche Grüße und Euch allen viel gute Wünsche. Immer nur
Deine Käthe

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Noch ein Kalender so spät im Jahr! Es ist nur um der Bilder willen. Sie sollen liebe Erinnerungen wecken und die Tage, die er noch zählen wird, sollen Gutes bringen.
In Treue viel herzliche Grüße.
Deine Käthe.