Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. Juni 1946 (Heidelberg)


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<S. 3 ist am re. Rand abgeschnitten und zu hell belichtet, d.h. nur z.T. korrigierbar!>
Heidelberg. 16.VI.1946

No 23.
Mein einziger Freund!
Wenn dieser Brief zum Geburtstag bei Dir sein soll, muß er wohl nun geschrieben sein! Möge er Dich gesund und wieder in neuer Zuversicht antreffen! Es ist doch in mir eine stille Gewißheit, daß Dir noch eine ganz persönliche Aufgabe bestimmt ist. Wozu sonst all die Vorbereitung, dieser Weg durch alle die Enttäuschungen und all das Leiden.
Zu den Plänen, die in unmittelbarer Nähe liegen, kann ich weiter keine Meinung äußern, dazu kenn ich die Einzelheiten zu wenig Wie schön wäre es, wenn Du dadurch in meine Nähe kämst! Denn das ist der einzige Wunsch, der mich noch ans Leben fesselt, ist doch mein ganzes Sein von Dir erfüllt. Könnte es doch auch wieder mehr für Dich sein!
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Meinen Brief auf die erschreckende Karte (19) und den Dank für Susanne's reichhaltige Sendung werdet Ihr erhalten haben. Inzwischen hat mich auch Karte 20 wieder mehr beruhigt. So kann ich Euch also weiter in den Kellerräumen wissen, die Prof. Bethgen als gemütlich bezeichnete. Es war mir sehr erfreulich, doch einige Einzelheiten durch ihn zu erfahren, die man aus Briefen nicht so entnehmen kann. Aber im Großen und Ganzen bin ich doch durch Dich immer recht gut orientiert. Nur kann ja inzwischen alles immer schon ganz anders sein. Auch hier, wo wieder große Beschlagnahmen im Gange sind und niemand seines Unterkommens sicher ist.
Ich bin nur froh, daß Eure Mitbewohner so liebenswürdig Euch die Sache erleichtern, und daß man wohl nun überhaupt gemerkt hat, mit wem man es eigentlich zu tun hat. Es kommt eben immer wieder der Glaube über mich, daß Du den rechten Weg schon finden und zu einem guten Ende durchhalten wirst. Wie schön wäre es, wenn Ihr unter erträglichen
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| Bedingungen in Berlin bleiben könntet. Aber natürlich kannst Du andere Möglichkeiten nur gegen sichere Anerbieten dort aufgeben.
Und inzwischen bist Du weiter so aktiv, wie ich es mit Bewunderung höre. Denn bei mir läßt der Elan immer mehr nach. Wir haben wieder die übliche Heidelberger Schwüle, auch bei kühler Temperatur. Das belebt nicht.
Matussek wollte Dir selbst schreiben. Er ist für einige Tage zur Erholung in den Odenwald. Woher mögen nur beide Brüder diese gleichzeitige Erkrankung haben? In einem Monat soll das medizinische Examen beginnen, und er arbeitet – vielfach im Bett liegend – sehr eifrig dafür.
Rösel Hecht hat dauernd diese große Sorge um Walter. Sie erwägt sogar den Plan, ihn zur Behandlung nach Bethel zu geben. Augenblicklich ist er in Wiesloch, weil er dort durch Arbeit im Freien günstiger beeinflußt ist als hier in der Klinik.
– Du fragst so lieb, ob Du Anna Weise nochmals besuchen solltest? das würde sie sicher sehr erfreuen. Aber wie macht man es, daß es nicht wieder vergeblich wäre? – An Hermann schreibt man, wie ich es Dir angab: Dr. H. H., Marinelager 15/26 Frederikshavn, Dänemark.
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| Er hatte von mir schon zweimal Post und ich auch von ihm. Man muß den Absender mit genauer Adresse angeben und am Schalter abgeben. Porto 75 <altes Pfenningzeichen> – Um meine Geldmittel brauchst Du Dich nicht zu sorgen. Ich habe auf den beiden Sparbüchern noch 3100 und 1000 M., bekomme monatlich 37,20 Altersrente und habe auch ein wenig dazu verdient. Die Ausgaben im Monat übersteigen selten 150 M.
Kürzlich hoffte ich, Maria Dorer mal wieder auf der Durchreise zu sehen. Die Ferien waren aber kürzer als sie gedacht hatte und so blieb ihr keine Zeit dazu. Ihre tatkräftige Art hat mir immer etwas Belebendes, und ihre Anhänglichkeit für Dich tut mir wohl. Das brauche ich sehr. Denn wie untätig und schlapp ich bin, habt Ihr ja durch meine liebe Schwester erfahren, der ich ohne zu wollen seit Februar nicht geschrieben haben soll. Andere Briefschulden sind noch viel älter! Nur Du kannst Dich da nicht beklagen, da ist nur inhaltlich der Mangel. Aber wer hat Zeit und Kraft zu gesammelter Mitteilung? So auch heute: nur noch viele innige Wünsche für das neue Lebensjahr und herzliche Grüße der ganzen Kellersippschaft. – Immer im Herzen Dir nah
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Gleichzeitig gehen vier Postsachen ab. Davon eine eingeschrieben. Wie lange werden sie brauchen?