Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28./29. Juli 1946 (Heidelberg/Rohrbach)


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Heidelberg- Rohrbach.
28.VIII Juli 1946.
Mein einziger Freund!
Nun bin ich schon seit 2 Wochen aus meiner Wohnung vertrieben, und noch immer ist der Wohnungswechsel nicht ganz vollzogen; ich schlief bisher weiter bei Heinrichs und bin bei den verschiedenen Freunden zu Gaste. – Eben sitze ich in der engen Mansarde und muß einen Gewitterguß abwarten, den ich ja nun gleich zu ein paar Zeilen an Dich verwerten kann, um Dir für Deinen lieben Brief zu danken, der mir von Eurem ähnlichen Zustand berichtete. Möchte sich doch inzwischen eine geeignete Wohnung für Euch gefunden haben. Ich denke Eurer beständig mit Sorge und bedaure besonders, daß Du so hartnäckig den wenigen Zuschuß an Ernährung ablehntest, den ich Dir hätte mitgeben können. Matussek habe ich das Betreffende auch gebracht. Der Bruder hilft mir weiterhin beim Umzug. – Bei Drechslers werden sich die Dinge erst im Verkehr einspielen und regeln lassen. Miete zu bezahlen habe ich für Zimmer und Küchenbenutzung 25 M und die üblichen Nebenabgaben. – Dr. Drechler wird Mitte der Woche für einige Zeit nach Karlsruhe zu seiner Familie gehen. Er strebt von Heidelberg, von Baden überhaupt fort. Etwas anderes hat er aber noch nicht. Seine Arbeit über Fichte hat in dieser Zeit recht zurück stehen müssen. Er meint aber in wichtigen Punkten zu neuen Resultaten gekommen zu sein. –

Montag abend. Auch heute wird es nicht zum Schreiben kommen, denn ich bin zum Umfallen müde, aber sonst gesund. Zum erstenmal schreibe ich am Sekretär im eignen Zimmer und bleibe nun auch zur Nacht hier. Post kommt schon pünktlich ins Haus, außer Deinem lieben Brief auch eine Karte von Maria Dorer, die von Deinem jetzigen Aufenthalt hörte, und bei mir anfragt, obs wahr ist? – In der Klinik war ich heute, um die Arbeit fortzusetzen. Sonst habe ich nichts als immerfort die Überlegung, wie ich alles einschachtele, um das Zimmer möglichst zu entlasten. Es war unendlich viel Hausrat in den kleinen Räumen an der Markscheide.
Der beifolgende Brief kam aus Kiel durch Hermanns Schwägerin. Du verzeihst wohl, daß ich ihn las? Er enthält doch mancherlei, das ich noch nicht erfuhr. – Und jetzt will ich diesen Zettel noch in die nachbarliche Post bringen und schleunigst schlafen gehen. Ich wollte, es könnte 24 Stunden dauern. –
[] Bitte, entschuldige den Klecks, der Füller war schuldig. –
Und nun gute Nacht! Möge Dir ein guter Tag danach beschieden sein. Wenn ich wieder normaler bin ,schreibe ich auch an Susanne, der ich herzlichste Grüße schicke und viel gute Wünsche. Viel Freundlich <hier der Klecks> Freundliches auch an Ida.
Deine
Käthe.