Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Oktober 1946 (Heidelberg/R.)


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Heidelberg. R. 13.X.46.
Mein liebes Herz!
Wie schnell ist der Sonntag wieder da, und schon die zweite Woche des Semesters um! Über den glücklichen Beginn des ersten hat mir Dein lieber Brief vom 6. berichtet, den ich am 9.[über der Zeile] ? bekam. Mit großer Freude hörte ich davon und ebenso von dem großen Bedauern der Berliner über Dein Fortgehen. Kennst Du die verschiedenen Interpreten? Es würde mich interessieren, besonders das aus der "Neue Zeit" und "Telegraf". – Ich schicke Dir die Abschnitte nächstesmal mit zurück. –
Ob sich nun noch Hörer an die Übungen zur Psycho Soziologie des Wissens gewagt haben? Es sind vielleicht vorläufig noch keine "Fortgeschrittenen" vorrätig! Auch ich kann nicht eigentlich von Fortschritten berichten. An dem Berg des Unerledigten trage ich nur sandkornweise ab. Daneben war ich einmal im Wald, um Bucheckern zu suchen; aber ich hatte gerade einen sehr kalten, feuchten Tag getroffen, und die Hände wurden mir derart klamm, daß ich die Dinger gar nicht mehr fassen konnte. ¾ <altes Pfundzeichen> habe ich in vier Stunden zusammengebracht, oberhalb vom Bierhelder Hof. Aber die vorteilhafte Zeit ist vorbei, es lohnt nicht mehr. Doch habe ich mich nicht erkältet und keinen Muskelkater bekommen, was ich auf die Arsenferratose schreibe, die ich dauernd einnehme. Jetzt hat mir Frl. Dr. Cl. noch ein anderes Eisenpräparat verschrieben, und außerdem in der Woche 1/8 Butter und tägl. ¼ l Vollmilch. Ohne besonderes
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| Rezept bekomme ich durch mein Alter tägl. ¼ l Magermilch und in der Woche ½ l wie alle anderen. Das ist eine gute Aussicht. –
Heut habe ich zum erstenmal den Ofen geheizt. Er brennt gut, aber das Holz fliegt nur so durch, da er eigentlich ein Dauerbrenner für Kohlenheizung ist. Und das große, hohe Zimmer wird schwer warm werden. Morgens waren 11°R. In dieser Übergangszeit friert man am meisten, und man tut gut, gleich mit der Wintergarderobe zu beginnen. Das habe ich auch neulich bei dem Buchelnsammeln getan. – Wie sind Eure Heizaussichten? Uns waren einige Kohlen versprochen, aber es soll nichts damit werden. Vorläufig habe ich noch einen kleinen Rest und etwas mehr Holz vom vorigen Jahr. – Ob Euer Student bei Kälte in der Veranda nicht erfrieren wird?
Deine zwei Aufträge konnte ich bisher noch nicht ausführen. "Garnichts vorhaben" gibt es allerdings niemals, im Gegenteil reicht die Zeit nie aus und viel davon wird auch verschlafen. Aber einschieben läßt sich die Sache mit der Frl. Haberkorn wohl einmal, ob aber zu einer Besuchsstunde ist sehr die Frage. Mit dem Hut ginge es sehr gut durch Matussek, und vielleicht kann ich ihn bis dahin loseisen. Ich stehe aber nicht so nah mit der alten wie mit der jungen Frau B., und das sind getrennte Lager.
Für heute will ich mit diesen dürftigen Zeilen Schluß machen. Ich hätte wohl allerlei auf dem Herzen, angeregt durch den Golem, den ich zufällig in die Hand bekam und der manche Tiefe aufrührte. Aber ich bin sehr müde, und der Brief soll fort. Darum nur noch <li. Rand> innigste Grüße in steter Treue von Deiner Käthe.