Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 22. Februar 1947 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 22.II.47.
M. e. Fr.
Nun muß ich doch zu einer Karte greifen, um Dir rasch doch noch einen Gruß zu senden. Seit 3 Tagen habe ich den ganzen Tag – d. h. Vor- und Nachmittag je 2–3 St. – für die Augenklinik zu arbeiten. Es wird gut und macht mir Freude, aber es braucht meine Kräfte völlig, da ja das übrige auch besorgt sein muß. Du hast sejr recht, daß die Wärme dort sehr angenehm ist. Überhaupt das Tauwetter! Alle Welt atmet auf. – Zwei liebe Päckchen sind eingetroffen und erwarten den 25. – Von mir gingen am 20. zwei an Dich und 2 an Susanne. Möget Ihr an dem ersten Tautage nur bei der Glätte nicht gestürzt sein! Das war selbst für meinen sicheren Gang bedrohlich und ich bin bei der Heimkehr im Dunkeln nur so dahingeschwebt. – Meine Gedanken werden am Dienstag bei Dir sein und Du wirst an dem Freundeskreis teilnehmen. Halb freue ich mich darauf, halb ist mir etwas bange. Ich habe immer lieber die Leute einzeln für mich. Aber es ist so gut gemeint von Rösel! Auch Gertrud Kohler kommt von Dielbach. Im ganzen werden es 10 sein! – Sonst geht es mir gut, nur komme ich vor dem Vegetieren und der Sorge dafür zu garnichts. In dem Buch von Marianne W. habe ich angefangen und habe Fühlung gewonnen, aber oft schlafe ich nach ½ Seite ein. Am Tage ist aber keine Ruhe.
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| Mancherlei hatte ich schreiben wollen, aber jetzt langt es nur zu diesem auf dem Postamt H. "Pathologie ist alles, was von der Norm abweicht. Aber die Norm hat eine große Spielbreite" sagt Frl. Dr. Clauß. Nur M. habe ich noch nicht befragt. Ich bin betrübt, daß Du etwas enttäuscht bist. Mir geht es eben mit ihm ähnlich. Er hat sich wohl etwas zuviel zugemutet. – Doch nun nur noch viele, viele Grüße, auch an die beiden andern. Immer die Gleiche, D. K.