Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. März 1947 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 13.III.47.
M. l. e. Fr. Leider muß ich heute auch zu einer Zwischennachricht greifen, um wenigstens ein Lebenszeichen zu geben. Den Sonntag hatte ich gezögert zu schreiben, da ich hoffte, damit dann gleich den Briefwechsel in einen richtigen Wechsel zu bringen. Nun ist aber bis heut von Dir noch nichts gekommen, und ich bin heut auch zu einem Brief nicht fähig. Denke Dir, ich war mit der Schwester der Frau v. Schoeffer auf dem Friedhof, um die verehrte, gütige Frau dort aufgebahrt zu sehen. Sie ist in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach mehreren Anfällen von Herzkrämpfen an Schwäche sanft entschlafen. Die Augenoperation ist gut verlaufen und verheilt gewesen, aber die seelische Anstrengung, die es die zarte Frau gekostet hat, verzehrte zu viel Kraft. Sie hinterläßt eine große Lücke bei allen, die ihr nahe stehen durften.
Heut nachmittag war ich nun wieder beim Zeichnen in der Klinik, wenig erfolgreich bei dem trüben Wetter. Aber die milde Temperatur ist sehr erwünscht. Nun ist vorläufig die Müdigkeit doch überwiegend, so gern ich meine Zeit nützlich ausfüllen würde. Denn es geht mir gesundheitlich so gut, wie es heutzutage möglich ist, trotzdem bleibe ich noch immer recht lahm. – Viele Briefe liegen mir auf der Seele, die ich gern schreiben würde, aber nur wenige kommen zustande. Sage das bitte auch Susanne, die nun die Nächste sein soll – aber wann? – Auch zum Lesen
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| komme ich abends nicht mehr, ich schlafe einfach darüber ein. In dem Berliner Almanach blättere ich täglich und finde so viel Liebes und Schönes – auch vor allem im Weiterdenken der angeregten Bilder. – Das große schwere Paket, das Susanne schickte, ist mit innigem Dank empfangen, aber es mischt sich wie immer der Wunsch hinein, ihr solltet diese Gaben lieber selbst genießen. – – Heut nur diesen kurzen Gruß in treuem Gedenken. D. K.