Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 21. Juni 1947 (Heidelberg)


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Heidelberg. 21. Juni 1947.
Mein liebes Herz,
ich will doch nicht warten, bis Zeit ist zum Geburtstagsbrief, denn ich möchte Dir doch gleich mitteilen, daß ich durch Gisela (in Göttingen) weiß, daß Hermann und seine Frau dort auf der Durchreise in das Auffanglager Würzburg durchkamen. Sehen konnten sie sich leider nicht, da eine Möglichkeit der Benachrichtigung fehlte. Aber sie sind da! – Von dort wollen sie nach Tutzing, Krankenhaus Kloster zu Mechthild. – Meine Tage waren auf einmal noch mehr besetzt als sonst: es ist Einmachzeit, grüne Erbsen trocknen, und heute soll es Kirschen geben. Gleichzeitig meldete sich die Augenklinik mit dringender Arbeit nach dem nur kurz anwesenden Patienten. Mitten hinein als ich dazu fortgehen wollte, kamen Kohler's, was ja an sich nur eine große Freude war, aber ich hatte eigentlich keine Minute Zeit. Otto sieht gut aus, aber natürlich älter geworden. — Indem ich dies schreibe, kommt der junge Dr. Siebeck und will eine Schädelbasis gezeichnet haben – möglichst rasch natürlich! – ich empfange die Leute einfach in dem einen noch unaufgeräumten Zimmer, es ist eben nicht zu ändern. Ich bin auf seit ½ 7, aber war schon im Dorf, auf dem Wirtschaftsamt und will jetzt, um ½ 10 in die Stadt. Darum nur noch viele Grüße und Dank für Euer liebes Päckchen, das wie immer große Freude machte und von neuem meine Enthaltsamkeit untergräbt. – Hätte ich nur auch etwas Schönes zu schicken, aber es ist mir garnichts eingefallen und dabei ists doch der 65! Daß man bei der Fülle Deiner Leistungen etwas das Alter spürt, ist ja natürlich. Ich bin sehr froh, daß sonst nichts vorliegt.
Bald schreibe ich wieder! Wie immer Deine Käthe