Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Juli 1947 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 8. Juli. 1947.
Mein geliebter Freund!
Für einen lieben Bericht vom schönen Verlauf des Geburtstages (bereits am 28.!) und für 2 Exemplare der Tübinger "Magie der Seele" habe ich vielmals zu danken und es ist doch unmöglich, einen Brief zu schreiben – "in fünferlei Hinsicht": 1. wegen Zeitmangel, 2. wegen Kopfmangel etc. – So muß ich also die kurze Nachricht geben, damit Du nicht wartest. – Mitzuteilen hätte ich allerlei, Sachliches und Persönliches. Sachlich ist zu bemerken, daß neue Paßbestimmungen eingeführt sind, und daß die Sache vermutlich schwieriger und langsamer vor sich geht. Von Herrmann ist noch keine Auskunft über seinen eventuellen Besuch da. Ob er überhaupt reisen darf? Ich weiß es nicht. – Wenn ich jetzt von dem Schwächegefühl im Kopf geplagt bin, muß ich immer gleich denken, wie es wohl damit gerade bei Dir ist? Es hängt offenbar auch mit Nerven und Wetter zusammen. Augenblicklich hemmt es mich sehr und da geht die Arbeit eigentlich über meine Kraft. 2 große Augenhintergründe, 2 Tuschzeichnungen für Dr. Siebeck, und die 3 für Dr. Cibis sind noch immer unfertig. Dabei war das Obstkochen neben dem Täglichen, denn die Magenfrage wird doch immer wichtiger. – Der kleine Hafis ist auch mit Dank empfangen. Erinnerst Du Dich noch an einen wunderschönen Aufsatz, den Du mal im Stutenhaus schriebst? Er war, neben dem Ordnen Deiner neuverpackten Briefe, meine Geburtstagsfeier in tiefster Seele. Solche Stunden helfen immer wieder über die tägliche Öde hinweg.
Gestern Abend, zwischen 7 und ½ 10, war eine Fahrt ins Neckartal wegen der Wäsche ein leiser Nachklang früherer Zeit. Aber jetzt muß ich ins Dorf, einkaufen, und darum nur noch viele Grüße an Susanne, Dich und Eure Ida.
Bleibe gesund für
Deine Käthe.