Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. September 1947 (Oberdielbach)


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Oberdielbach, 13. Sept. 47.
Mein liebes Herz!
Dieser Zettel sollte eigentlich noch in Heidelberg geschrieben werden, um Dir zu melden, daß nun endlich der seit Jahren geplante Besuch bei Kohlers, vor sich gehen wird. Jetzt kommt er nun also von hier oben, nach einer Reise, die der nach Tübingen an Strapaze kaum nachstand. Der Ansturm in H. war wie in Stuttgart und die Menschenfülle im Wagen so, daß man nur mit einem Fuß auf den Boden kam. In Eberbach war das Auto überfüllt und ich mußte 2 Stunden auf das nächste warten. Das ging dann aber glatt, da inzwischen Otto Kohler den Wagenführer überredete, mich schon im Hof der Post einsteigen zu lassen. Nun bin ich aber hier oben und fühle mich wohl bei den lieben Menschen. –  – Sehr froh war ich über all Deine lieben Nachrichten aus Freudenstadt. Hoffentlich war auch Partenkirchen zur Erholung geeignet, und Du kannst mit neuen Kräften in den drohenden Winter gehen. War Ulm ein befriedigendes Intermezzo? – Hier sind auch allerlei Veränderungen im Haus, Zwangsmieter etc. Aber die Wohnräume sind doch sehr behaglich und die freie Luft herrlich. Ich denke, bis Dienstag oder Mittwoch zu bleiben. Otto hofft, daß seine Entnazifizierung jetzt rasch beendet sein wird. Seine Gemeinde hat auch eine Eingabe gemacht, seine Wiederanstellung zu beschleunigen. Wenn doch auch Hermann bald mit seiner Zulassung in die deutsche Heimat in Ordnung käme. Er hat sich das alles wohl zu einfach gedacht.
Nimm für heute mit diesen wenigen Worten vorlieb und lies das Andere zwischen den Zeilen. Sei innig gegrüßt und grüße Susanne und Ida herzlich von mir.
Deine Käthe.

[Kopf] Von Sprangers viele Grüße!