Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 9. Oktober 1947 (Heidelberg, Postkarte)


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Heidelberg. 9. Okt. 47.
M. l. H.
Von der Terrasse hochgewölbten Bogen, wo wir bei mildem Sonnenschein ein wenig ausruhen, ehe wir den Wolfsbrunnenweg nach Schlierbach gehen, senden wir herzlichste Grüße. Leider vergingen die Tage des Zusammenseins nur zu rasch und morgen, Freitag abend, will Hermann nach Essen weiterfahren. Wir haben eine ganz gemütliche Bohèmewirtschaft geführt und Hermann hat mir tüchtig geholfen. Auch sind wir zweimal im Wald gewesen, von der Molkenkur über Speyrerhof bis nach Haus, und einmal im Siebenmühlental Hutzle suchen für das Feueranmachen im Winter. Nächste Woche gibt es dann für mich wieder eine kleinere Arbeit in der Augenklinik. Das ist auch erfreulich. Im Westen steht eine dunkle Wand, die Regen verspricht oder vorspiegelt. Es wäre so nötig. – Also für heut nur viele Grüße für die drei Rümeliner.
<Die nächsten Zeilen sind von Hermann Hadlich geschrieben>
Wir verleben genußreiche, behagliche Tage u. treiben die Hausarbeit miteinander. Wie schön, eine unzerstörte deutsche Stadt zu besuchen! K. ist lebhaft u. rührig wie je, trotz den 75 Jahren. Mir aber
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| kommt alles wie ein Traum vor. – Viele gute Wünsche Dir u. Deiner Gattin! Dein Herm.
<Fortsetzung von Käthe Hadlich>
Mit großem Bedauern lasse ich meinen Bruder schon wieder fort, man möchte so gern für etwas Ausgleich sorgen nach der langen Zeit der Entbehrungen.
In treuem Gedenken
D. K.