Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16. November 1947 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16.XI.47.
Mein liebstes Herz,
es langt nicht zu einem Brief, obgleich es keine so große Arbeitslast ist, die mich hindert, wie bei Dir. Es geht nur alles so langsam und mühselig, und ich plage mich sehr mit der Kopie eines Augenspiegelbildes, dessen Grundierung durchaus nicht gleichmäßig werden will. Und ich copiere doch so ungern! – Der Sonntag soll aber nicht vorübergehen, ohne daß ich Dir einen Gruß schicke. Ein Päckchen an Susanne, in dem etwas vom "Volk" für Dich war, ging am Feitag ab. Hoffentlich ists rauchbar.
Ich danke Dir sehr, daß Du mir trotz der überbesetzten Zeit immer so getreu schreibst. Wenn man nur etwas gegen Deinen Schnupfen tun könnte! Oder eigentlich richtiger: gegen die Schädlichkeit, die ihn Dir zugezogen hat. Wenn Du nicht immer so rücksichtsvoll wärst, hättest Du Dich von Anfang an gegen diesen Zug energisch gewehrt. Aber bei der ganzen Diesverpflichtung ist neben der Last eben auch die fühlbare Wirkung Deiner Rede ein wesentliches Moment. Es ist naturgemäß ein berechtigter Stolz, solch großen Hörerkreis so eindrucksvoll zu beherrschen. Das lohnt Dir den Einsatz an Kraft und Befinden. Wirst
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| Du auch von Nicolaus von Cusa reden? Ich war dieser Tage sehr angetan von einer kleinen Schrift des Ernst Hoffmann über ihn, und lebhaft gedachte ich der Reichenau wo wir ein Buch des Kusaners, das Du dort mithattest, so großen Eindruck machte. Das ist so ein Denker nach meinem Herzen, mehr als der sündhafte Augustin. Aber ich weiß ja nicht einmal, ob er in den Rahmen Deiner Vorträge gehört!
Etwas muß ich heute noch erwähnen, das mir wichtig scheint. Nämlich in Bezug auf Dieter, den Sohn von Hermann und auch den Rudi von Onkel Herrmann. Sie sind eben durch die Parteizugehörigkeit an der Tätigkeit gehindert. Vielleicht konnte der Bernhard R. seine Entnazifizierung schnell durchsetzen, vielleicht ist das auch je nach der Zone leichter. Es sind doch viel tüchtige Menschen in der gleichen Lage und nicht die Fähigkeit als Arzt entscheidet. Bei Dieter scheint aber auch noch außerdem der Krieg die Kräfte geschädigt zu haben, so daß er, wie Hermann meint, nicht energisch genug vorgeht. Es ist alles so trübselig.
Du klagst über die großen Temperaturschwankungen. Ich glaube, die haben wir auch, und es ist im Begriff, wieder kälter zu werden. Sorge doch nur, so gut es geht, für warme Füße. Das ist eine Hauptsache. – Aber ich muß jetzt ins Bett! Hoffentlich schläfst Du schon! Sei mit Susanne herzlichst gegrüßt von
Deiner Käthe.