Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 29. Dezember 1947 (Heidelberg)


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Heidelberg. 29.XII.47.
Mein geliebtes Herz!
Nur ein liebevoller Gruß soll Dich zum neuen Jahr womöglich noch erreichen, wenn es auch kein richtiger Brief werden kann, aus Gründen, die ich im Brief an Susanne erkläre. Es ist wie ein Verhängnis, daß ich zu der Ausschaltung des gewohnten Betriebes nicht kommen soll, aber doch hat mich die Zeitlosigkeit Deines besinnlichen kleinen Aufsatzes im "Württemberger" tröstlich und stärkend berührt und ich werde mit seinen Gedanken das neue Jahr anfangen. Habe Dank dafür, und habe überhaupt für alles das Dank, was Du mir ohne Ende bist. Deine Worte haben mich gemahnt an die zarte Blume, die uns ein Sinnbild unseres gemeinsamen Suchens war von jeher – die Zeitlose. Und gerade an dem Tage, als die Drucksache eintraf, verschenkte ich einen selbstgezogenen Kaktus, dessen Blüte im Sommer die Farbe der Zeitlose hat, und den ich deshalb liebte. Stille Momente an den Feiertagen brachten mir recht zum Be
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|wußtsein, wie man jetzt doch garzu sehr von der Unruhe der Zeit getrieben und hingenommen ist. Und ich habe mir vorgenommen, nach Möglichkeit das Unwesentliche auszuschalten, vor allem auch aus der Mitteilung an Dich! Aber wo ist denn das Wesentliche in dieser beständigen Not, nur der dringenden Anforderung des Tages zu genügen? Vor allem, wo ist die Beweglichkeit der Gedanken, wenn der Geist ebenso Blei an den Füßen hat wie der Körper?
Aber ich habe den Eindruck, daß ich im Gefühl meines Ungenügens mir eine Art des Lamentierens angewöhnt habe, und das soll aufhören. Ich möchte Dir nicht zur Last werden, sondern Dir eine freudige Gefährtin sein und bleiben – "In Glück und Licht – In Not und Gefahr – Was auch geschicht – Immerdar!" Hat nicht 1947 uns ein glückliches Zusammensein geschenkt, und verheißt 1948 nicht ein eben solches Wiedersehen? Aber wie es auch komme, das Glück im Herzen ist unzerstörbar, wie die Treue.
Und so sei voll Dankbarkeit gegrüßt und geliebt von
Deiner
Käthe.