Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Januar 1948 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

13.I.48.
Meine einzige Freundin!
Die lausige Postbestellung in Heidelberg kenne ich nun schon seit Jahrzehnten. Großstaaten sind untergegangen und entstanden. Die faule Gesellschaft bei Euch ist dieselbe geblieben. Und klare Auskünfte bekommt man auch nicht. Wollen Ew. Gnaden sich nun endlich bequemen, mir zu antworten, ob das Heft "Credo" mit meinem Beitrag eingetroffen ist?
So, nun habe ich etwa die Hälfte von dem geschimpft, was ich nötig hatte.
Die Neubewilligung Deiner Zulagen erfreut mich nur halb: denn sie deutet auf Befund. Ich tröste mich nur damit, daß ein Attest seine – Unterlagen haben muß. – Ich bin nicht in Behandlung. Ernst Hoffmann ist es bei Frl. Dr. Clauß.
Was die Schuhfrage betrifft, so ist vorgestern aus New York vorzügliches Schuhleder eingetroffen. Wenn Du einen Schuster hast, der Dir daraus Schuhe macht, wäre es die herrlichste Verwendung. Schnelle Antwort erbeten. Das zweite Geburtstagsgeschenk werden die Moabiter Sonette sein. Wenn ich sie am 1. Februar absende, reicht die Zeit wohl fürs Ankommen. Ich hoffe zwar aufs Sehen; aber ich will dann nur ein ganz kleines Handgepäck haben.
Hier sind meistens bis zu 10°R Tagestemperatur; augenblicklich eine elektrische Ladung, die mir sehr wohl tut. Ich habe heute schon 13 Seiten Dinformat geschrieben, Wissenschaft und Briefe.
Am 6.I. fuhren wir um 9 nach Hechingen, gingen
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| bei Sonne auf den Hohenzollern (850 m) Oben war es recht rauh. Die Pforte der Burg¹) [re. Rand] ¹) jetzt christl. Eigentum war verschlossen, tat sich aber für uns noch rechtzeitig auf, so daß wir wenigstens den Hof des Greuels sehen u. die Aussicht genießen konnten. Oben fanden wir einen Ast, in den der Borkenkäfer die schönsten Figuren eingegraben hatte; ein interessantes Stück, das wir dem Kollegen Kühn in Hechingen mitbrachten. Dieser Geologe hatte in seiner Küche ein reizendes Lamm von 6 Wochen.
Vorgestern (Sonntag) Nachm. gingen wir im Steinlachtal 55 Min. aufwärts, dann rechts den Berg hinauf bis Schloß Kreßbach und den Weg, den wir von Derendingen eingeschlagen hatten, zurück. Im ganzen 2 ¾ Stunde ohne Pause; achtbare Leistung für mich. Damals waren wir nur 10 Min. vom Schloß noch entfernt.
Eingeladen war wir beim Internisten Bennhold u. mit unsrem "klugen" Finanzstaatssekretär Binder bei "Lehmanns". Auch wir hatten Besuch. Übermorgen wird Romano Guardini kommen, der nach München fortgeht.
Das Ms. "Kulturverantwortung der Frau "(40 S.) ist im Grundtext fertig. Ebenso die subtile Geleitrede zu der Übers. eines engl. Buches über die Universitäten. (ca 23 S.) Trotz dieses Fleißes bin ich eine Woche hinter m. Programm zurück. Schuld ist die Masse der Briefe. Kürzlich kam einer von einem mir bekannten Philosophen in Keijo, jetzt wieder Söul (Korea.) Südafrika, Schweiz, Schweden USA schicken allerlei. Sus. hat ein förmliches Importgeschäft.
Der Psychiater Kurt Schneider war gemeint.
Welch üble Sache mit der feuchten Wand. Spare nicht mit der Heizung in diesem Fall. Es kann doch nur die Straßenseite sein? Der Bericht vom Hochwasser erinnert an 1919 (? – Stiftsmühle!) Der Stern der 3 Könige vielleicht doch im Verlöschen? (so nicht – im Erblassen.)
Die Augen nicht überanstrengen beim Zeichnen! Hübsch langsam! Ich muß nun schließen, weil die Hand nicht mehr will. Lesenswerte Briefe lege ich nicht mehr bei, weil <li. Rand> ich weiß, daß die Rücksenderei lästig ist. Wir 3 grüßen herzlichst, ganz besonders Dein Eduard.