Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 28. Januar 1948 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

28.I.48.
Meine einzige Freundin!
Morgen werde ich Dir um 50 km näher sein. Ich rede im Stuttgarter Kulturbund über das Thema: "Der Humanitätsgedanke und seine Problematik". Vor 40 Jahren wußte man noch nichts von dieser Problematik, als mein „W. v. H.“ erschien. Aber in Stuttgart werde ich mich nicht aufhalten.
Das ganze Haus hat Dir sehr zu danken. Ich beginne mit meinen Schätzen: den (sehr guten u. sehr willkommenen) Zigarren, dem Kalender und der Schnupftabakdose für Bulldoggen. Diese ist sehr hübsch. (Reichenhall?) Ida ist beglückt über die oberschlesischen Karten (Großstrelitz) und den Raabe; wird selbst schreiben. Endlich "jedem das Seine" Die Bürste und Schaufel passen gut für Susanne. Allgemeine Übereinstimmung ist aber darüber, daß Du Eßbares überhaupt nicht schicken sollst, und dies soll von jetzt an Gesetz sein. Wir freuen uns, wenn wir irgend eine Kleinigkeit für Dich haben, und zum Schluß kommt nur ein für Dich postalisch umständlicher Tauschhandel heraus, bei dem ich von den paar Eiern in Deinem Vorrat noch etwas wegesse! Vorläufig sind wir sehr gut versorgt. Also: niemals Eßbares. Du siehst, Du hast mir "einen Brunnen geschenkt".
Augenblicklich brauche ich wohl nicht in Sorge zu sein, daß Du frierst. Es ist hier unheimlich milde,
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| und vorgestern Nacht hatten wir das dazugehörige Erdbeben.
Wunschgemäß spreche ich über die Pläne zum 24.II. Mein Paß für diesmal reicht sogar bis dahin. Ich hoffe, daß ich am 24.II nicht zu früh von Stuttgart weiterfahren kann und um Mittag in Heidelberg bin. 2 Nächte könnte ich bleiben. Findet sich durch fremde Hilfe dafür ein Hotelchen, so ist das gut, weil es Dir einige Umstände erspart. Ev. auch gegen Entgelt auf Chaise longue in Familie. Verpflegung bringe ich in der Hauptsache mit. Bis dahin wird es die Interzonenmarken noch nicht geben. Wenn ja, wäre das Restaurant in der Rohrbacher Landstr. gut, oder eine Suppe im Bahnhofrestaurant. Eines wird ratsam sein, nämlich, daß Du die Kaffeegäste zu Deinem Geburtstag "vertagst" und Besuchen vorbeugst. Meinerseits möchte ich nur Ernst Hoffmann in der Ziegelhäuser Landstr. besuchen, nicht Hellpach u. Radbruch. Meine "Durchreise" darf also nicht bekannt werden. Abhängig ist der Plan vom beiderseitigen Befinden. Augenblicklich bin ich mal wieder schlapp. Und 20° Kälte dürfte auch nicht sein. Da fehlt dann die Gemütlichkeit.
Glaubst Du, daß Dir an Hand eines herzuschickenden Schuhs von Dir ein Schuster hier etwas Brauchbares aus dem Leder machen könnte? Ist es nötig, daß Du Dich gerade an Deinen trinkenden Schuster wendest? Es gibt doch auch andre, die vielleicht mal gern einen neuen Schuh machen, zur Auffrischung der Kenntnisse.
Gottseidank, daß die Augenzeichnung jetzt fertig ist. Auch ich hatte für morgen sehr schwere Arbeit. 2 Nächte war Haide Heß hier, was eine Verlangsamung des Arbeitstempos brachte. Man wird nicht warm <li. Rand> mit ihr. Das <unleserliches Wort> (Bebenhausen zum 1. Mal seit wir da waren) war schlecht. Während ich dies schreibe, kommt der Pfarrer Henning aus Tokyo. Er wird später wiederkommen. Ich muß <re. Rand> also schließen mit all den Gefühlen und Grüßen (vom ganzen Hause) die Du kennst. Sei gesund! Innigst Dein Eduard