Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Februar 1948 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

13.II.48.
Meine einzige Freundin!
Für den von mir sehnlichst erwarteten 24.II wollen wir folgendes verabreden: Du hast die Güte, mich bei Dir zu Hause zu erwarten. Der allerfrüheste Ankunfttermin wäre 11½. Ich weiß aber noch nicht, welchen Zug ich nehme, bzw. kriege. Am meisten Lust hätte ich, den Personenzug ab Stuttgart 8.45 zu benutzen, wenn dieser nicht länger als etwa 4 Stunden braucht. Aber ich muß sehen, was es sonst für Möglichkeiten gibt. Rechne nicht mit mir als Mittagsgast: es kann auch 14 oder 15 Uhr werden. – Wo ich übernachte, ist mir völlig gleich, wenn es nur sauber ist. Sehr wichtig ist mir aber, daß mein kurzer Besuch Dir weder Aufregung noch Kräfteverlust bringt. Und so muß es eingerichtet werden.
Am 29.I habe in Stuttgart mit bestem Erfolg geredet. Hinterher sprachen mich etwa 20 Personen an, auch der Kulturminister Bäuerle. Vorgestern bei furchtbarem Regen war ich wieder in Stuttgart zu einer Schulkonferenz. Euer Rektor Kunkel
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| war auch da, wie mir schien: ein liebenswürdiger Mann. Sonst hat das Arbeitstempo etwas nachgelassen. Ich war längere Zeit nicht ganz auf der Höhe: Altherrenleiden. Aber das wechselt sehr. Wir waren z. B. einmal in Kreßbach (2½ St.), einmal zu Fuß in Bühl (1½), und heute sind wir sogar 3 Stunden ohne Unterbrechung marschiert. Das geht jedenfalls noch. Nieschling war in den letzten Tagen hier, und einmal recht ergiebig und gemütlich Graf Hardenberg.
Du rühmst Dein gutes Aussehen. Das ist mir natürlich recht. Aber – wenn man sich dann den Schaden besieht ......... Nun, auf das Aussehen kommt es nicht an, und mit der 2. Qualität des Befindens müssen wir ohnehin zufrieden sein.
Die Elis.-v. Thaddenschule (Marie Baum) hat mich zu einem Besuch eingeladen; quod non. Nur den Ernst Hoffmann, u. von da etwa zur Stiftsmühle. Neckargemünd wird mit schwieriger Fahrt verbunden sein; dann nicht. Aber wenn das Wetter gut ist, dann vielleicht aufs Schloß; jedoch verdient jeder Weg den Vorzug, wo möglichst wenig Uniformen zu sehen sind. Das alles wird sich finden. Ich wünsche sehr, daß keine "Vorbereitungen" nötig wären. Mehr schreibe ich heute nicht, sondern schließe schon wieder mit vielen Grüßen von uns allen. Innigst Dein ungeduldiger
Eduard.