Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Februar 1948 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

27.02.48.
Meine einzige Freundin!
Hoffentlich hat Dich das Räumen nach meinem Besuch nicht zu sehr angestrengt. Ich danke Dir für alle Liebe und Güte, die Du mir auch "als Gastgeberin" erwiesen hast. Es waren 2½ gute Tage, wenn es auch im ganzen Winter kaum so schlechtes Wetter gegeben hat.
Heute früh bin ich, ohne auf die E. zu reflektieren, gleich tapfer losmarschiert. Die E. erreichte mich am Portal des Friedhofes nach der Rohrbacher Landstraße zu, gleich 4+1+1 Wagen, alle 3 gleichmäßig gestopft. Um ¾ 8 war ich auf dem Bahnsteig. Der Tr. kam auf die Minute und war 20 vor 10 in Stuttgart. Ich lieferte in der T.H. den Schein ab u. besuchte dann weit drin in der Stadt den Stadtpfarrer Daur, mit dem ich Pläne für eine Arbeitsgemeinschaft mit den Köngenern Ende August besprach. Dann folgte der 2. Teil der Bahnfahrt von 12–14¼ hinter den bekannten Holzfenstern.
Susanne (bei –11° in Alpirsbach, aber ohne Wind) war mit einem Arbeiterauto
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| bis Oberndorf und von da mit der Bahn bis T. gekommen. Eine enorme Post mit dem bekannten Gemisch von angenehm und scheußlich lag wieder da. Darunter freundliche Einladung von Siegmund-Schultze nach der Schweiz (nicht beabsichtigt!) und 100 Stumpen aus St. Gallen! Lauter Wohltäter!
Eben die 2.Unterbrechung – Herre!
Susanne bedankt sich für die Plätzchen herzlich. Die Kartoffelflockensendung halten wir beide für einen Unsinn.
Die Brotmarken steckten im Überzieher; ich habe sie nur durch Zufall entdeckt. Wie sie dorthin gekommen sind, muß erst noch festgestellt werden.
Hier ist es schon viel wärmer, wie auch in H. heute früh. Es soll überhaupt bald milder werden.
Anbei alles, was unrechtmäßig mitgegangen ist. Für heute nur diesen Gruß in Eile (damit die Marken nicht verfallen.) Von Matussek ist ein langer Brief hier, den ich noch nicht gelesen habe.
Lebe nach meinen hygienischen Vorschriften, grüße die Hausgenossen und alle "Eingeweihten, (nicht andre!) und sei selbst dankbarst <li. Rand> gegrüßt von Deinem Eduard samt Susanne Ida.