Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. Juni 1948 (Tübingen)


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7.6.48.
Meine einzige Freundin!
Es ist z. Z. ganz unmöglich mit der Arbeit durchzukommen. Daher noch einmal eine kurze Zwischennachricht, vor allem, um den Eingang Deiner lieben Sendung zu bestätigen. Probiert ist noch nichts. Es paßt wenig in diesen Zusammenhang, aber es muß doch gesagt werden: schon längst schulde ich Dir eine kl. Postanweisung [über der Zeile] x. Aber wenn – was garnicht sicher – am 1.VII. die Währungsreform kommen sollte, so hätte sie [über der zeile] x jetzt keinen Sinn. Ich kündige also an, daß Du in dem besagten Fall sofort, wenn ich neues Geld habe, etwas vor mir erhalten wirst.
Ich war am 29.5. in Stuttgart. Große Verspätung, so daß ich erst 2 Min. nach dem Anfangstermin in den Saal
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| kam. Minister Bäuerle begrüßte. Nachher nettes Zusammensein mit ihm und anderen in einem richtigen, neu eröffneten Restaurant, sogar mit viel Wein. Sonntag früh sogleich Rückfahrt, von Jutta v. Rabenau zur Bahn begleitet.
Donnerstag – Zeit mühsam ausgespart – zum üblichen Haarschneiden nach Reutlingen. Strömender Regen. Wieder 40 Min. Verspätung.
Samstag Doktorfeier bei Haering auf der Veranda für m. ersten hiesigen Schüler (Dürr Nr. 1, Frau Mahn Nr. 2.)
Gestern Georg Weise und Frau und Koll. Brinkmann (früher Heidelberg) zum Kaffee bei uns. Heute 5 Extrasachen zu dem bißchen Arbeit, die knapp fertig geworden ist. Susanne ist um 15 Uhr für 2 Tage nach Alpirsbach gefahren.
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| Matussek habe ich nach Amerika empfohlen; aber ich billige diesen Plan nicht.
Ich habe mit äußerster Mühe den Beitrag für die Radbruchfestschrift "Nemo contra Deum nisi Deus ipse" einigermaßen fertiggestellt. Einladung zu bombastischer Schulkonferenz in Wiesbaden habe ich abgelehnt. Ebenso zur Ev. Akademie Bad Boll.
Es scheint, daß das W.S. diesmal erst Anfang November beginnt. Dadurch wurde erfreulich Zeit frei, ev. auch für Durand. Aber ich muß nun auch wirklich einmal eine Erholung haben.
Es ist gleich ½ 11 und morgen früh ist Vorlesung, nachm. Seminar. Sieh also dies nur als eine Postkarte an. Vielleicht komme ich doch so weit wieder à jour, daß ich auch einmal wieder richtig schreiben kann. Ich bin recht gehetzt.
Innigen Dank und viele Grüße, in die ich das Wärmste meines Herzens <re. Rand> hineinlege. Dein Eduard. Schade, daß die Speisung schon vorbei!!