Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. Juli 1948 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

26.7.48.
Meine einzige Freundin!
Es lastet auf mir, daß ich Dir noch nicht sagen konnte, wie sehr ich an Deiner kranken Hand teilgenommen habe. Derartige Fälle sind mir hier bei 4 Leuten bekannt geworden; Deiner ist der fünfte. Einigen wurde die Behandlung mit einem "Vigantolstoß (?)" empfohlen. Der Name läßt fürchten, daß sie sehr aufs Herz geht. Ursache scheint leider längere Unterernährung zu sein. Warum aber äußert sich das gerade an der Hand? Sehr möchte ich hoffen, daß es kein Gelenkrheumatismus ist. Aber bei dieser Gelegenheit muß ich Dich doch fragen, wie es mit Deiner Niere steht. Auch von der können Ablagerungen stammen. Fachinger oder Wildunger wird man nicht haben können. Schreibe mir bald, wenn Du schreiben kannst, wie es steht und was Frl. Dr. Clauß sagt. Schlimmstenfalls eine Karte in Blockschrift links!
Ich habe in der vorigen Woche das Semester bei voll besetzten Häusern in bester Ordnung geschlossen. Es war rührend, welche warme Sympathie zu spüren war, besonders bei dem pädagogischen De
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|battierklub, an dem mir am wenigsten gelegen war, der aber anscheinend gezündet hat. Einen allerletzten Schlußerfolg erzielte ich bei einem altphilologischen Singsang in einen Auditorium, als ich eine Volte über den Tisch machte um schneller loszukommen.
Aber nun bin ich in einer recht schlimmen Lage, und deshalb habe ich auch nur 1 Briefblatt genommen. Ich muß in dieser Woche den Vortrag für Mainz "Kulturbegegnungen als philosophisches Problem" machen, wozu die Zeit (auch die Kraft) eigentlich nicht reicht. Am Sonntag, den 1. August 14.44 komme ich mit dem D-Zug durch Heidelberg. Aber ich möchte nicht, daß Du deshalb Deine Nachmittagsruhe drangibst. Die 10 Minuten lohnen es nicht. Das Gleiche gilt von der Rückfahrt am Donnerstag, den 5. August [über der Zeile] 13.20.*) [Kopf] *) ganz ungeeignete Zeit (unsicherer!) Ich habe Dir oft gesagt, daß ich es nicht richtig finde, sich wegen so unsicherer Begegnungen Anstrengungen zuzumuten. Und wir hoffen doch auf Ende August. Susanne geht wegen derzeitiger [über der Zeile] (momentaner) Geldknappheit nicht mit nach Mainz. Die ganze Fahrt ist auch für mich eine leidige Pflicht.
Für Freudenstadt ist von der Schweiz her Frl. Silber (!) zu erwarten, und Dr. Oelrich.
Nimm mit diesen magern Zeilen vorlieb. Ich bin in einer Notlage. Innigste Wünsche für baldige Genesung. Wir alle grüßen! Dein Eduard.
[li. Rand] Laß ja die östliche Frau so oft kommen, wie Du sie brauchst. Oder jemand aus der Nähe.
[re. Rand] Werde ich nicht fertig, gebe ich die Fahrt nach Mainz noch auf.