Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. August 1948 (Freudenstadt/Haus Sonnwärts)


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z. Z. Freudenstadt, Haus
Sonnwärts (am Turm)
den 13. August 48.
Meine einzige Freundin!
Heute Nachm. sind wir schon eine Woche in Freudenstadt, und es hat immerhin 1 regenfreien Tag gegeben, an dem wir in Zwieselberg gewesen sind. Nachdem ich in T. noch 1 Tag Ordnung gemacht hatte, sind wir mit dem sog. "Klinikomnibus" hier heraufgefahren: ab ½ 4, an ½ 6. Es ist alles wie im vorigen Jahr: viel Franzosen, fast kein Kurgast; im Hause nur 2 alte Lehrerinnen aus Worms und aus Gießen. Das Zimmer nenne ich den Maikäferkasten, in den man 2 Löcher hineingestochen hat. Es entwickelt in mir keine Stimmung, obwohl man aus dem einen Loch bis zu dem Roßberg in der Alb sehen kann, den man auch von Tübingen sieht. Der viele
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| Regen hat mir erlaubt, einen Teil der Geburtstagsdanksagungen zu erledigen. Im Zimmer ist es manchmal schon unbehaglich kalt (cf. 1913!). Am Dienstag Nachm. waren Annemarie Heß und Haide da. Ein Telegramm sagte den Besuch unsres Dekans zu "dringender Besprechung" an (Krüger – es handelte sich um Heidelberg.) Gestern über Mittag war er hier – 2 mal bei strömenden Regen an den Omnibus. Heute kommt Dr. Oelrich von Tennenbronn via Schramberg. Morgen wollen wir nach Alpirsbach. Am Montag ist Frl. Silber zu erwarten, für ca 3 Tage. Da droht eine Schwierigkeit: sie scheint keinerlei Geld zu haben (trotz franz. Zusagen.) Wir haben aber auch kaum so viel, um den geplanten Aufenthalt von 20 Tagen hier durchzuführen. Morgner ersucht um Finanzierung für das Studium seines Klaus etc.
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Auf Ersuchen von Volkelt jr. habe ich einen ganz anspruchslosen Gedenkartikel zum 100. Geburtstag des alten Volkelt geschrieben. Die Sippe Volkelt konnte ihn bei keiner deutschen Zeitung anbringen; da bekam ich gestern den Abdruck in der – Neuen Züricher Zeitung. Das Honorar von 46 Fr. folgt in – Viktualien. Dieselbe Post brachte freundliche Stimmen aus Tucomán (Argentina), Habana, NewYork etc.
Wie geht es mit Deiner Hand? Susanne hat in der Unruhe des Packens und Disponierens noch nicht für die Hefeflocken samt lieben Brief gedankt. Die H. war sehr willkommen. Aber jetzt ist sie auch in Tübingen zu haben. Überhaupt solltest Du jetzt Sendungen unterlassen; vorläufig ist auf freiem Markt viel zu haben, wenn man Geld hat. Zigarren gegebenenfalls nur mit "Rechnung."
An Siebeck habe ich geschrieben, er solle Dir so einen Brief wie im vorigen Jahr
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| schicken. Die Bescheinigung vom Gouv. Mil. ist kaum noch nötig. Vielleicht (?) ist sogar ab 1.IX. kein Paß mehr erforderlich. Eine bequeme Reiseverbindung ist der Zug ab Heidelberg 13.20. Dann hast Du in Stuttgart von 16.05 bis 17.05 Spielraum. An Tübingen 19.30. Möglicherweise findet man auch einen passenden Vormittagszug, mit dem Du bis 17.00 in T. sein kannst. Das Reisen ist jetzt garnicht mehr schwierig. Gepäck mußt Du aufgeben.
Es ist hier – trotz aller Besuche – etwas eintönig. Die weiten Wege kann ich nicht mehr machen; schon Baiersbronn ist anstrengend wegen unsrer peripheren, hohen Wohnlage (800) Die nahen Wege sind einer wie der andere. "Unternehmungen" sind zu teuer. Es ist aber notwendig, das ich einmal 20 Tage lang andere Luft atme. Richte dich also bitte ein ab 1. September. Genauere Vorschläge mache ich noch. Wir beide grüßen Dich herzlichst und wünschen Wohlbefinden in jeder Hinsicht. In täglichem Gedenken auf jedem Wege innigst Dein Eduard.
[li. Rand] Ich erhalte immer wieder Einladungen an die "Freie Univ. Berlin."