Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 24. August 1948 (Freudenstadt)


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Freudenstadt, den 24. August 48.
Meine einzige Freundin!
Die äußeren Bedingungen zum abendlichen Briefschreiben sind hier höchst ungemütlich. Nimmst Du hinzu, daß ich trotzdem zur Bewältigung der auch hierher körbeweise eingehenden Post schon ca 50–60 Briefe geschrieben habe, so wirst Du milde Nachsicht haben, wenn ich mich wiederum kurz fasse. Vor allem herzl. Dank für den dritten lieben Brief, den ich hier von Dir erhalten habe. Ausführliche Antworten sind ja, so Gott will, in einiger Zeit mündlich möglich.
Das Wetter ist hier nicht nur wechselnd, sondern es entwickelt sich immer mehr zum Schlechteren. Am Sonntag konnten wir ein Treffen mit den Alpirsbachern in Schönberg mit genauer Not noch durchführen. Heute mußten wir die geplante "große Tour" nach dem Kastelstein aufgeben. Es war ein strömender Regen, wie ich ihn selbst hier noch nicht erlebt habe. Dabei wurde es immer wärmer; die Temperatur am Nachm. schätze ich auf 20°C. In der Summierung wird das doch ungemütlich, zu mal mir hier jede Stimmung zum Denken u. Schreiben fehlt. Die Tage mit Frl. Silber waren in jeder Hinsicht wohltuend. Wir brachten Sie
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| im Omnibus an den Zug in Baiersbronn. Auf dem Rückweg (Landstr.) kamen wir in ein scharfes kaltes Unwetter. Am Tage darauf waren wir abends bei dem General Speidel, Generalstabschef v. Rommel u. Freund von Ernst Jünger. Die 2 netten Lehrerinnen im Hause (Worms u. Gießen) sind abgereist.
Wir fahren am Freitag, den 27. früh 8 Uhr plangemäß mit dem Klinikomnibus hier ab, der um 10 in T. ist. Dann muß ich eine Woche lange sehr fleißig sein; werde also auch dann nicht viel schreiben. Ich habe den Eindruck, daß man am Sonntag besonders ruhig reist. Deshalb möchte ich empfehlen, daß Du am Sonntag 5.IX. fährst. Die von mir angegebenen Züge gehen auch Sonntags. Nimmst du einen früheren, so mußt Du beachten, ob er nicht Sonntags ausfällt. [Der Zug, der in Tübingen 19.36 eintrifft,x)g] [re. Rand] x) In m. Fahrplan steht nur 1 früherer Sonntagszug ab Stuttg. 12.24. an Tübingen 14.33. Paß ist nicht mehr nötig, aber Kennkarte!! Sorge ja dafür, daß Dir jemand den Koffer an die Bahn bringt, gib ihn auf! Handgepäck möglichst leicht halten! Reisegeld kommt noch rechtzeitig.
Auf die Zigarrenfrage kann ich keine fundierte Antwort geben, weil ich nicht weiß, zu welchem Preise Ida in T. einkauft. Ich kann nur sagen: mehr als höchstens 35 Pf. kann ich pro Stück nicht ausgeben. Die Sache ist nicht mehr so wichtig, da man auch ohne Marken etwas bekommt.
Der gute alte Reimesch ist mit 86 J. gestorben.
<li. Rand>
Grüße bitte Matusseks. In innigster Vorfreude herzlich grüßen Dein Eduard.