Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Februar 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. Febr. 1948.
Mein liebes Herz!
Da ist nun schon wieder Sonntag geworden, und doch ist alles, wie es war. Darüber ist man ja eigentlich nur froh, denn es verändert sich die Welt in der Regel nicht zum Guten. Und doch hat man beständig den Wunsch danach. So hoffe ich, soll Dein Stuttgart-Vortrag gut verlaufen und Du gesund davon zurückgekommen sein. Besonders aber sind meine Gedanken bei Deiner nächsten Reise dorthin und dann der Fortsetzung hierher! Es wäre mir am liebsten und für uns beide bequemer, wenn wir die Schlafstelle im Haus benützen würden. Indessen habe ich auch bei Frau Buttmi sondiert, und dort würde vielleicht auch das Kämmerchen frei sein, das ein Student gemietet hat, der aber augenblicklich nicht da ist. Er wohnt aber in der Pfalz und kommt gelegentlich doch mal. So kann sich die Sache erst kurz vorher entscheiden. – Wegen der Züge holte ich mir die Auskunft, daß morgens ein Eilzug 9.38 und mittags ein Pzug 14.35 geht. Beide ohne Zulassungsgebühr. Aber indem ich Dir dies
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| schreibe, zweifle ich leider, ob das die Abfahrt in St. oder die Ankunft hier bedeutet, und werde es noch morgen feststellen.x [über der Zeile] x Das Wetter war so schauderhaft, daß ich lieber nicht in die Stadt fuhr, ich schreibe dann Es ist doch immer irgend etwas, was zu einer Fahrt in die Stadt nötigt. Und ich bin doch so froh, wenn ich, wie z. B. heut, zu Haus bleiben kann! Für die Klinik ist wieder ein Schema zu zeichnen und zwar dasselbe, an dem das Vorbild nicht ganz richtig war. Prof. Engelking entschuldigte sich mehrmals, daß er es übersehen habe. Und außerdem beschwor er mich förmlich: "ja ordentliche Preise zu nehmen, es sei ja nur Papiergeld". Das ist mir natürlich angenehm. – Am 5. war ich in Ziegelhausen, wieder bei Frau Frobenius, zusammen mit der Schwester von Dr. Drechsler, der Frau Dr. Hoffmann. Wir kamen, trotz Hochwasser, glatt hinüber, aber beim Rückweg ging nur ein Fährboot oberhalb der zerstörten Brücke, sodaß wir nur noch knapp die letzte Elektrische um 8 Uhr bekamen. Vom Wetter wird nun wohl Dein Kommen weniger abhängen, denn es scheint ja keine starke Kälte in Sicht zu sein. So ist auch jetzt mein Zimmer immer behaglich warm bei ständigem Heizen. Bei solcher Temperatur genügen der Ofen und die Briketts. Aber bei richtiger Kälte nicht.
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| Die nasse Ecke wird immer größer, denn der Installateur kommt trotz dauernden Versprechen nicht: er habe keine genügend große Leiter und müsse sie erst entleihen!! Dabei kann man ihn nicht abschaffen, es ist der Nachbar!
Also warm findest Du es hier. Und wegen des Essens bringe mir ja nicht Unnötiges mit. Ich bin eine Hamsternatur und habe allerlei Vorräte: Büchsengemüse und reichlich Nährmittel, einige Weckgläser mit Obst und Dank Eurer Güte auch noch Fett. Du brauchst also nicht zu hungern. –
Daß diese Versicherung auf Wahrheit beruht, kann Dir das allgemeine Urteil über mein Aussehen bezeugen. Ich werde direkt darüber angesprochen, wie wohl ich aussähe! Und dem entspricht auch das Befinden. Nur ein riesiges Schlafbedürfnis besteht trotzdem. Die allmorgendliche Unternehmungslust ist stets sehr schnell verflogen, und die Leistung das Tages ist minimal!
So drehen sich meine Gedanken ums Plänemachen. Wird die Politik die Ausführung gestatten? Bei Euch war kürzlich Erdbeben, davon habe ich hier nichts bemerkt. Aber sonst ist der Boden unsicher, doch ist man daran so gewöhnt, daß man es nicht mehr achtet und trotzdem recht unzeitgemäße
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| Zukunftshoffnungen hegt. Und diese Träume machen meine Tage hell trotz der trüben Regenwolken. Für heute aber grüße ich Euch alle drei und Dich noch ganz besonders. Möge ich es bald mündlich wiederholen können!
Immer
Deine Käthe.