Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15.16- Februar 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 15. Februar 48.
Mein liebes Herz!
Dies war eine Woche ohne Fahrt in die Stadt, dafür holte ich es aber gleich am gestrigen Abend und heute wieder nach, und zwar war ich bei Rösel Hecht, die mich zum Zusammensein mit Kohlers einlud. Es war sehr hübsch, und Otto hat sehr spannend und amüsant von Erlebnissen der Kriegsgefangenschaft erzählt, von dem gewagten Rückzug (ohne Entlassungsschein) durch das bereits von Amerikanern besetzte Gebiet, und von den pikanten Erfahrungen in einem Schülerheim in Nimes. Gestern abend fuhr ich zum erstenmal um 22.15 mit dem letzten Wagen zurück. Heut, am Sonntag geht die Elektrische nur alle 24 Minuten, aber sie hält keinen Fahrplan inne. Du weißt, es ist hier Heidelberg. Aber heut war ich ja zu Mittag dort, da kam es nicht auf die Minute an. Ich hatte dabei nun auch die Möglichkeit, die Fahrzeit für Deine Züge zu erforschen. Es war wirklich so wie ich fürchtete, die Angabe war die hiesige Ankunft. Der erste Zug von Stuttgart fährt dort 7.5 ab und ist 9.38 hier und ist Eilzug, der andre geht 12.5 ab und [über der Zeile] ist Pzug kommt 14.35 an. Der Beamte wollte wieder nur das letztere melden und fand sehr patzig: wozu brauchen Sie denn die Abfahrt zu wissen!
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| Ich vermute nun, daß dieser zweite Zug der richtige sein wird. Es geht aber noch ein Personenzug 12.50?, der 15.43 ankommen soll. Meine Gedanken kreisen viel um diese Aussichten und ich hoffe im Stillen doch sehr, daß sie Wirklichkeit werden. Ich bin gespannt, für welches Nachtlager Du Dich entscheiden wirst? Am bequemsten, wenn auch primitiv, scheint mir die Unterkunft in Dr. Drechslers Notquartier, wo Hermann es für durchaus bequem erklärte.
Die langweilige Wiederholung des Schemas der Linsenkrümmung habe ich glücklich fertig gebracht. Ein zweitesmal ist solche Arbeit leicht weniger geraten. Und sonst ereignet sich nichts Besonderes.
Ihr werdet nun in wenigen Tagen Susannes Geburtstag feiern, und hoffentlich hast Du Dich dazu auch etwas frei gemacht. Einen Ausflug wird es wohl kaum dabei geben. Hier wenigstens ist das Wetter mehr als unzuverlässig. Ich bin nur froh, daß das Holz, das nun endlich gespalten wurde, nicht mehr im Regen lagert, sondern auf dem Speicher bis zum nächsten Jahr trocknen kann. Wir haben nochmals 1 Ctr Briketts bekommen, sodaß da ein Vorrat ist, wie noch nie. Dabei verbrenne ich täglich davon, sofern ich überhaupt zuhause bin. So sind auch die Wände gut angewärmt, bis Du kommst, trotz der nassen Ecke. Doch für heut: gute Nacht! Ich bringe den Zettel rasch noch zur Post! Viel herzliche Grüße und ich kann wohl fast schon sagen: auf Wiedersehen!
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Innige Grüße und Glückwünsche für Susanne, denn mein Brief wird wieder mal zu spät abgehen, aber die Gedanken sind schon lange dafür unterwegs.

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Heidelberg  11.13  16.03 P
Stuttgart 13.50  20.16
    "    ab 15 –   20.34
Tübingen17 –   22.32
Für den 26.II.1948.

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|Gestern abend war es zu spät für die Post gewesen. Heute kommt nun Dein lieber Brief vom 13.II., der ganz andere Angaben über die Züge von Stuttgart bringt. Auf alle Fälle will ich versichern, daß ich Dich im Haus, (aber mit Mittagessen) erwarte –. Weißt Du, daß wir noch 1 Flasche Wein von Matussek im Keller haben. Soll man ihn dazu auffordern? Beide Brüder kommen immer Mittwochs nach dem Abendbrot von 8–10 Uhr. Ich habe <Fuß S. 3> aber vorläufig für den 25. abgesagt.