Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Juli 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7. Juli 1948.
Mein geliebtes Herz,
Du wirst von Hermann auch die traurige Nachricht erhalten haben, die mich heute erreichte. Wie hart ist es für ihn, nun in dieser grausamen Zeit allein weiterleben zu müssen! Aber vielleicht ist es ihm ein Trost, daß Hedwig viel Schweres erspart bleibt.
Vorhin waren Matusseks bei mir. Vorher hatte ich Frl. Heraucourt und Frau Hoffmann besucht, die letztere bereits wieder zu Haus. Sie ist nach der Behandlung mit 3 Choks als geheilt entlassen. Die Andere hat viel Schmerzen und liegt geduldig im Bett, bis sie nächsten Montag oder Dienstag operiert wird. Die Rachenmandeln verursachen vermutlich die Blutinfektion. – Und gestern war doch solch innerlich froher Tag durch Deinen lieben Brief! Ich dachte immer, das ist lauter Sonnenschein für mich, wie ihn uns der trübe Himmel nicht mehr gönnt. Habe Dank, daß Du trotz der übermäßig ausgefüllten Zeit doch geschrieben hast. Das hilft meine Lebenskraft
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| zu beleben. – Daß ich mich für meine Arbeitsmöglichkeit einsetzte, ist doch selbstverständlich. Ich habe das garnicht weiter überlegt, ich wußte einfach: so muß ich es machen. Denn es ist doch klar, daß ich alles, was mir möglich ist tue, um für meine Existenz aufzukommen. Das Übrige wird Dir ja ohnehin zur Last fallen und ich nehme es voll Dankbarkeit von Deiner Güte. Aber es wird mein Bemühen sein, es nach Möglichkeit einzuschränken. So will ich Dir heut gleich noch gern mitteilen, daß ich außer der Rente (37 M) dem Geld von Dir (30 M) noch 33 M von der Klinik bekam, und in 14 Tagen noch 22 M zu bekommen habe. Ich bin also für den August versorgt. Leider liegt ein neuer Auftrag noch nicht vor.
Daß ich trotz einiger schlaflosen Nächte doch nicht aufgeregt bin, sondern in gläubigem Vertrauen dahin lebe, das kommt eben, weil ich mich in Liebe geborgen fühle, in der Liebe, die mich erfüllt und die mich umgibt. Die vielleicht eine himmlische Fügung, aber für mich in Dir beschlossen ist.
Deine
Käthe.

[li. Rand] Viele Grüße an Susanne und Ida.
[li. Rand S. 1] Dank auch für die kleine Schrift, die an Anschaulichkeit, Klarheit und Gehalt wieder meisterhaft ist. War es nicht <Kopf S. 1> wieder eigen, wie Du meinen Wunsch erfülltest, während <Kopf S. 2> noch meine Bitte nicht in Deine Hände gelangt war?