Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Sprange, 28. Juli 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28. Juli 1948.
Mein liebes Herz,
dies wird kein Brief, aber ich möchte doch rasch wenigstens einen Gruß schicken, denn am Sonntag hatte es nur zum Schreiben an Susanne gelangt. Zu meiner Verblüffung schreibt jetzt Maria Dorer, daß sie am 1.8. in Mainz einen Vortrag von Dir [über der zeile] zu hören gedenkt. Das wäre ja sehr plötzlich, denn in meiner Vorstellung stand dieses Mainz noch in weiter Ferne, da Du immer dafür auf eine Absage hofftest. Jetzt überfällt mich der Gedanke, daß Dein Weg doch vermutlich über Heidelberg gehen könnte, und daß ich mich garnicht über diese Möglichkeit orientiert habe. Es wäre mir ja sehr traurig, wenn .. ich dadurch um ein Zusammentreffen mit Dir kommen könnte. Meine Gedanken waren immer auf Eure Reise nach Freudenstadt gerichtet und auch darüber war ich noch sehr im Ungewissen wegen der Zeit. – Wie wäre dann für den Mainzer Vortrag der Zeitpunkt? Müßtest Du dort auch noch sonst Congreßteilnehmer sein? Wäre eine Übernachtung hier angenehm? Das wäre ohne Umstände leicht zu machen! – Frl. Dorer schreibt sehr freundlich, daß sie hofft für ihre Studenten Fahrterlaubnis zu beschaffen, ob ich teilnehmen wolle?!! Du verstehst, daß das nicht in Frage kommt, aber es ist nett von ihr. Meine Hand ist da kein Hindernis, aber die Gesamtverfassung ist nicht so unternehmungslustig
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| und meine Hoffnung ist doch auf Tübingen gerichtet!
Augenblicklich bin ich sehr mit Flickerei in Anspruch genommen. Denn Ihr wißt ja, meine "Garderobe" ist ganz zerrissen. Aber das ist zum Glück eine Arbeit, die ich mit der bandagierten Hand gut machen kann, wie überhaupt die Sache abgeschwollen und kaum noch schmerzhaft ist.
Wie bekommt Dir die Hitze? Habt Ihr nachts Abkühlung? Mein Zimmer ist ja relativ kühl, 23°R, und ich kann viel mehr Hitze vertragen als früher, wenn es nicht schwül ist. Ich schwitze still und trinke viel dünnen, aber guten Kaffee, den ich so freigebig von Euch bekomme. Das belebt und kühlt sehr angenehm. – Zur Stadt fahre ich nur bei dringender Notwendigkeit. Zu zeichnen habe ich eben nicht. Frl. Heraucourt würde ich gern mal besuchen, aber bei der Hitze ist mir der Weg zu weit. Es geht ihr noch garnicht gut und sie soll recht deprimiert sein. Von Hermann hatte ich Nachricht, von Berlin noch nicht wieder. Meine Abendlektüre zur Ablenkung der Gedanken sind eben Freitags "Bilder aus der deutschen Vergangenheit". Es ist seltsam, wie mir jetzt eigentlich aus allem die "ewige Wiederkehr des Gleichen" entgegen klingt.
Wenn Du etwa hier nur durchfahren solltest, so laß mich auch dann die Stunde wissen, daß ich an die Bahn kommen kann. Ich habe das für so viele Fernerstehende getan, und für niemand tue ichs so gern wie für Dich. Die Elektrische ist jetzt meist ganz praktikabel.
Sei tausendmal gegrüßt und freue Dich des guten Semesterschlußes. Euch allen schöne Tage beginnender Ferien!
Deine Käthe.