Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8./11. August 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. August 1948.
Mein liebes Herz!
Wie froh bin ich, Euch nun in Freudenstadt zu wissen! Es schadet wohl nicht, wenn zunächst das Wetter etwas kühler ist, denn Luft und Sonne sind da oben doch immer heilsam. Aber sehr ungern habe ich gehört, daß die Mühe, die Du für Mainz verwendet hast, garnicht das geeignete Publikum fand. Vielleicht waren doch mehr Verständnisvolle dabei, als Du merktest. – Am Mittwoch wäre ich fast an Deinem Zug gewesen!! Ich hatte es gewollt auf alle Fälle, aber beim Ernährungsamt mußte ich für den Krankenzusatz fast zwei Stunden stehen und daran scheiterte meine Zeiteinteilung. Auch in Ziegelhausen, wo ich dann wegen der Wäsche und bei Frau Frobenius war, hatten die Leute so viel Zeit und hielten mich übermäßig auf, sodaß ich leider ¼ Stunde zu spät am Heidelberger Bahnhof war. Wenn ich bestimmt gewußt hätte, daß Du durchfährst, hätte ich die Suada der alten Mutter von Fr. Frobenius mit Energie abgeschnitten, aber so ließ ich mich hindern. Und wie hätte ich mich gefreut, Dich zu begrüßen!
Ich hatte auch die Cigarren für die Augustkarte bringen wollen, die ich ungern mit der Nährhefe
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| verpackt hätte, weil sie den Geruch anziehen könnten! Sind die Cigarren noch gut wie anfangs? Oder soll ich mal andre versuchen? Die Ration wird in diesem Monat verdoppelt, es gibt also noch 8 Stück. Nun hat Frau Buttmi angeboten, weitere Marken abzugeben, die sie nicht verwerten. Ist Dir daran gelegen, daß ich besorge, so viel ich kann, von der gewohnten Qualität? Oder bist Du ausreichend versorgt und willst mehr nicht daran wenden? Ich frage nur, weil man ja gern jede Gelegenheit in diesem Artikel benutzt, ich selbst aber so viel nicht kaufen würde, wegen der geringen eigenen Einnahmen. Ich habe leider garkeine Aufträge. Meine Hand wäre zu jeder Arbeit bereit.
Ein Strauß wundervoller tiefroter Dalien steht vor mir, den mir eine liebenswürdige Frau Dr. Bleßgen schenkte, die damals die Alterspeisung vermittelte. Umgekehrt wäre es also richtiger, aber ich hebe ja keinen Garten mit Blumen wie sie! Es bedrückt mich oft, daß mir häufig etwas Liebes erwiesen wird, was ich garnicht erwidern kann. Trotzdem kann ich nicht hindern, daß ich mich an den Blumen dankbar erfreue. Sie sind ungewöhnlich schön. –
Auch über Deine liebe Karte habe ich mich herzlich gefreut und danke Dir dafür. Sie kam gleichzeitig
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| mit einer recht betrübenden Nachricht von Inge Gronstadt, der zweiten Rugetochter. Sie hatte nach längerer Ehe endlich ein ersehntes Kind bekommen, und nun ist die kleine Gisela nach kurzer, schwerer Krankheit mit ½ Jahr gestorben. Vielleicht war es auch Darmverschlingung, wie bei dem Söhnchen von Anneliese v. Schlotheim(-Malius.) Das kommt eben öfters vor.
Wenn ich nicht an jenem Mittwoch, als Du den Mainzern durchbranntest, so mitgenommen von dem endlosen Schlangestehen gewesen wäre, daß ich den Plan mit dem Bahnhof versäumte, und abends auch noch das Kommen der beiden Matusseks, dann hätte ich vom Dr. erfahren, daß Du schon abgereist warst. Denn er hatte Dich in Mainz anrufen wollen und da warst Du schon fort. Er wollte von Dir hören, ob es sich verlohnte, hinzufahren und ist wirklich noch hin. Ich werde vielleicht diesen Mittwoch davon hören. Ich aber bin betrübt mit den Cigarren und einem schönen Pfirsich aus Buttmis Garten am Donnerstag vom Bahnsteig abgezogen und habe dann den Pfirsich mit Hanne Heraucourt geteilt. Nachdem sie in der vorigen Woche noch eine Blinddarmentzündung durchmachte, scheint sie aber jetzt in der Besserung zu sein. Sie ist aber knapp an einer
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| Operation vorbei gekommen. Es ist wirklich wunderbar, was solch zarter Organismus alles aushalten kann.

11.8.   Es wäre richtiger gewesen, den Zettel abzuschicken, aber ein paar drückende Gewittertage ließen mich nicht zum Weiterschreiben kommen. Es ist fabelhaft, was ich an Schlaf leisten kann! Aber ich bin auch dazwischen fleißig und immerfort beschäftigt mit Flickerei. So gehen die Tage nützlicher als angenehm dahin. Zu anderer Beschäftigung, d.h. lesen etwa, komme ich garnicht mehr, denn wenn ich die Sommersachen überhaupt noch dies Jahr anziehen will, ists höchste Zeit, daß sie ganz werden! – Über meine Finanzlage lege ich Dir eine Abrechnung bei. Ich habe noch kein rechtes Urteil, ob ich ausreichend spare. Das Geld fließt so unmerklich davon. Schreibe mir doch Dein ehrliches Urteil. – Die Brotmarke steht zu Eurer Verfügung, wenn sie dort gültig ist, sonst hebt sie mir auf.
Und nun für heute Schluß mit dem nüchternen Geschreibe. Ich freue mich auf Nachricht über Euer Ergehen und male mir aus, wie gern Du Ruhe und Gegend genießt. Hoffentlich kommt nicht allzuviel Besuch! Grüße Susanne und sei selbst innig gegrüßt von
Deiner Käthe.

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    (20.) Juni u. Juli
Kopfquote   40  M
Altersrente   37,20
von Eduard   30.–
Augenklinik   33.–
      "   24.–
von Eduard   30.–  
194  20
          Ausgabe124  85
August, Bestand  69  35
Altersrente  37  20
106,55
Ausgabe August   67,04
Ist diese Reisemarke [über der Zeile] für Weißbrot bei Euch gültig?
(Bitte um Antwort.)