Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 19. August 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 19. Aug. 1948.
Mein geliebtes Herz!
Nun ist gestern schon wieder aus Tübingen eine Sendung gekommen, während Du selbst gar nicht dort bist, und zwar 40 M.! Es beunruhigt mich, daß es gerade in dem Moment geschieht, während Du mir von Besorgnis schreibst, nicht genügend zur freien Disposition haben zu können. Womöglich habe ich es ungewollt veranlaßt, durch den Brief, der Dir von meinen Finanzen Rechenschaft geben sollte und Deine Kritik erbat. Denn ich möchte gern möglichst bald lernen mich mit der gegebenen Situation vernünftig einzurichten. Habe herzlichen Dank für diese Gabe, die mich in die Lage versetzt hat, ohne Besorgnis an das Reisegeld zu danken. Ich hatte mir schon ausgedacht, daß ich im Notfall die Vorauszahlung der Miete bis zur Rückkehr aufgeschoben hätte. Und laß uns, bitte, verabreden, daß ich mich immer mit dürren Worten melde, wenn ich Mangel habe. Ich möchte aber gern auch von den Bedenken des täglichen Lebens berichten und um Rat bitten dürfen, ohne daß Du denkst, das solle eine Bitte um Hülfe sein, und Du müßtest deshalb Sorge haben.
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Meine Tage gehen mit der häuslichen Arbeit – ich möchte sagen: ungezählt – dahin. Die Angelegenheiten des Tages wollen eingeteilt und bedacht sein, dazwischen geht der Verkehr mit den Bekannten. Heute war ich nachmittags bei Hanne Heraucourt, die nun 9 Wochen im Krankenhaus liegt.x [Kopf] x aber hofft, Ende nächster Woche nach Haus zu kommen. Dann bei Hedwig Mathy, bei der ich ein eben vollendet Porträt sah, und bei Rösel Hecht, die mich zum Abendbrot da behielt. Ich hatte leider ihren Besuch bei mir neulich verfehlt. – Gestern abend waren beide Matusseks da und das ist immer recht hübsch. Paul M. bedauerte sehr, nicht mit Dir über den Congreß haben reden zu können. Sein Urteil war über das Niveau nicht besonders, aber er hatte ein gutes Zusammensein mit einem Naturwissenschaftler May Haertmann, von dem er Nutzen spürte. Demnächst tagen auch die Psychiater irgendwo, und er will dazu hin. Es wird überhaupt furchtbar viel Congreß gehalten! – Frau Butmi ist zur Tagung der Evang. Akademie in Herrenalb. –
Und das Barometer, das tagelang fiel, ist wieder im Begriff zu steigen, und so hoffe ich für Euch auf Wärme und Trockenheit. Bei uns wars heute schauderhaft. Ich schicke diesen inhaltlosen Zettel, und Dir den dankbaren Empfang des Geldes zu melden und grüße Dich und Susanne herzlichst. Meine innigen Wünsche für Deine Erholung sind <li. Rand> ständig um Dich. Ich hoffe, Ihr haltet trotz des mäßigen Wetters bis zum 25. aus. Kann man das Zimmer heizen? In treuer Liebe
Deine Käthe.

[li. Rand S. 1] Ein Brief von Aenne sagt, daß die kleine Gisela an Hirnhautentzündung starb. Sie selbst in Berlin würden immer noch satt bisher.