Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. Dezember 1948 (Heidelberg)


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Heidelberg. 31.XII.48.
Mein geliebtes Herz!
Nicht eine Überfülle von Arbeit, sondern nur eine große Müdigkeit hat meine Unpünktlichkeit veranlaßt. Aber in Gedanken ist schon lange mein inniger Dank für den lieben Brief, für das Buch mit dem schönen Nachwort, für den Brief von Susanne und für all die Herrlichkeiten im Paket und nun auch noch für das viele Geld, das gestern eintraf, unterwegs. Damit wenigstens das kleine Päckchen noch ankommt, ehe die Stuttgarter Tagung beginnt, schicke ich also nur diesen kurzen Zettel ab und bitte herzlich um Deine
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| Nachsicht. Vor mir steht das vorzügliche Bild aus Mainz, das mir anfangs eine zu lebhafte Mahnung an allerlei äußere Mißfälligkeiten wachrief, das mir aber jetzt täglich neue Feinheiten des Ausdrucks enthüllt. Es ist mir wie neu geschenkt und ich möchte sagen: ich danke Dir, daß Du so bist!
All meine heißen Wünsche gehen mit Dir in das neue Jahr, das mit Stürmen zu beginnen scheint und das wir nur mit der Gewißheit des inneren Besitzes gelassen erwarten können. Denn: die Liebe höret nimmer auf!
Ein Brief folgt bald. Heute nur viele Grüße für Dich, für Susanne und Ida und innigen Dank Dir für jedes neue Gedenken von
Deiner Käthe.