Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. Januar 1949 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

9.I.49.
Meine einzige Freundin!
Es lohnt nun kaum noch, daß ich mich schriftlich "verbreite", da wir uns, so Gott will, am Samstag sprechen können. Ich möchte aber doch wenigstens den längst fälligen Dank nachholen für Deine lieben, am 6.I. vorgefundenen Weihnachtsgeschenke. Die sehr hübschen Patience-Karten sind bereits in Gebrauch und haben die mir nicht sympathischen englischen Bilder, die K. Silber geschenkt hatte, verdrängt. Der gute Tabak ist auch bereits zur Hälfte in die Luft gegangen. Du wirst mir erzählen, wie und wo die zierlichen Karten zum Vorschein gekommen sind.
Ich habe zwar Weihnachts- und Neujahrstage, aber auch nicht ein Minimum von Ferien hinter mir. Am 29.XII erschien Frl. Geppert und blieb – mindestens für die Mahlzeiten und spärlichen Freizeiten – bis zum 1.I., da Frl. Lampert sie in Stuttgart nicht einquartieren konnte. Abgesehen davon, daß sie hier – zwar nicht nur [über der Zeile] mir – einen Mordskatarrh hinterließ, hinderte sie mich an der Konzentration, deren
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| ich für den Stuttgarter Vortrag bedurft hätte. In Stuttgart besuchte ich zunächst die durchweg leidende Familie Lampert-Penck für 20 Min., hielt dann in der Markuskirche meinen Vortrag und kam gegen 22½ bei strömenden Regen oben in Rohr an. In meinem Privatquartier wurde ich auf eine unbeschreibliche Weise verwöhnt. Die 2½ Tage religiöser Diskussion mit ca 70 teils alten, teils reizend jungen Leuten war zwar durchweg wohltuend, aber auch höchst anstrengend. Ich werde davon erzählen. Über Herrenberg kam ich am 5.I. abends in Tübingen an, fand 50 Postsachen, von denen 20 gleich am nächsten Tage erledigt wurden, und blieb seitdem im bekannten Kampf mit einer zersplitternden Fülle von Pflichten.
Am 13.I. mittags muß ich schon wieder fort. Am 15.I. geht mein Zug 7.20 von Gießen, und ich bin dann zu der früher angegebenen Zeit (wohl 10.58) in Heidelberg, – falls ich nicht verschlafe. In jedem Fall essen wir im Bahnhof oder sonst in der Stadt. Ist das Wetter gut und Dein Befinden entsprechend, so fahren wir nicht nach Rohrbach, was nur Fahrzeit verschlingen würde, sondern machen einen hübschen, nicht anstrengenden Weg. Ist es sehr kalt oder sehr regnerisch, so müssen wir in Dein Quartier flüchten. 4 Stunden sind zur Verfügung. Abends 23 muß ich in Tübingen sein, denn am Dienstag, 18.I. beginnen die Vorlesungen <li. Rand> wieder für die ich wegen der gewohnten neujahrlichen Postüberflutung schlecht gerüstet bin.
<re. Rand> Sorge mir nun – nicht bloß wegen des Treffens – dafür, daß es Dir recht gut geht. Ich grüße Dich <Kopf> in warmer Vorfreude innigst. Stets Dein Eduard.