Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 13. Februar 1949 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

13. Februar 1949.
Meine einzige Freundin!   Nachdem ich 5 Tage gelegen hatte (5.–9.II.) bin ich am 10.II aufgestanden, und der Fall kann als überwunden gelten. Die Temperatur ist nie über 37,5 gestiegen, Der Arzt (Privatarzt Dr. Schramm) mahnte mit Recht zu Vorsicht – ev. kl. Rippenfellreizung. Aber die Hauptursache war wohl die verringerte Widerstandsfähigkeit durch pausenloses (obwohl am einzelnen Tage nie übermäßiges) Arbeiten seit den sog. Weihnachtsferien, die immer die schlimmste Zeit meines Jahres bedeuten.
Nun aber sind 2 traurige Tatbestände zu erwähnen: 1) der Tod unsres Prorektors Steinbüchel, der mit 60½ Jahren einem Altherrenleiden erlegen ist. Dieser kath. Philosoph und Theolog war einer der liebenswürdigsten Menschen, die mir begegnet sind. Wir sind ihm außerdem zu der größten Dankbarkeit verpflichtet. Er war immer hilfreich, heiter (Rheinländer) und großzügig. Für die Un. hat er sich in seinem 2jähr. Rektorat geradezu geopfert. Ich fühle einen beseelten Punkt in meinem Tübinger Leben ausgelöscht, und bin tieftraurig.
2) die mit so viel Liebe (und Erfolg) durchgeführte Vorlesung ist nun
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| ruiniert. Es ist unmöglich, ihr einen Abschluß zu geben. 6 Stunden habe ich durch Krankheit verloren; 2 aus anderen Ursachen. Wegen der Trauerfeier für Steinbüchel kann ich erst am 16.II wieder anfangen. Dann bleiben, selbst wenn 2 Stunden eingelegt werden können, nur noch 9 Stunden. Die kommende Woche sind aber außerdem 32 Fleißprüfungen über diese Vorlesung abzuhalten – höchst anstrengend und langweilig.
Betrachte es nicht als Undankbarkeit gegen Deine vielfachen Bemühungen, wenn ich feststelle: die Heidelberger Zigarren sind nicht besser als die hiesigen, dafür aber sämtlich teurer und noch schlechter gearbeitet. Man hat offenbar nach Dtschld einen Tabak importiert, der anderswo nicht anzubringen ist. Mein Husten ist durch diese Sorte noch gesteigert worden. Meine Schulden werde ich mit der nächsten Sendung begleichen.
So sehr ich mich freue, wenn Du durch Zeichenaufträge von der Monotonie des Tages abgelenkt wirst, habe ich doch immer in fünferlei Hinsicht Sorge: 1) wegen der Anstrengung, 2) wegen der Fahrt mit der Elektrischen, 3) der Gefahr, dabei eine Infektion zu erhaschen etc. ...... Zur Vorsicht kann man mahnen; aber Vorsicht hilft nicht immer.
Wenn Du Matussek siehst, frage ihm doch einmal en passant, was er von dem jungen Dr. med. Götze-Klaren hält, der sich hier an mich attachieren will. Ich finde ihn – Unklaren.   – Sonst hat sich naturgemäß nicht viel ereignet, und <li. Rand> die Stimmung ist "lustlos". Mögest Du bald Frühlingswege machen können, aber nie bis zur Anstrengung! Dank auch <re. Rand> noch für die Federn (reichen nun.) Milei war noch das Beste. Mit <Kopf> vielen treuen Wünschen und innigen Grüßen. Dein Eduard