Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 31. März 1949 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

31. März 1949.
Meine einzige Freundin!
Ehe ich morgen abfahre, noch einen kurzen Gruß. Denn unterwegs bleibt zum Schreiben keine Zeit, oder man hat keine Marken. Ich danke für Deinen lieben Brief. Aus der Beilage ging ja hervor, daß man mit einem Unterkommen im Hotel noch nicht rechnen kann. Ich muß Dir gestehen, daß ich inzwischen die Einladung Eures sympathischen Prorektors Kunkel, im Juli an der Un. Heidelberg einen Goethevortrag zu halten, notgedrungen ablehnen mußte. Die Festrede für Tübingen wird mir noch genug Mühe machen. Ich kann auch nicht zur "Goetheplatte" werden, die man einfach rotieren läßt.
Einen ganzen Tag habe ich gebraucht, um die ehrenvolle Aufforderung nach Chicago in geeigneter Form abzulehnen. Denn außer dem Telegramm des wirklich sehr bedeutenden, vom
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| deutschen Idealismus stark beeinflußten Kanzlers Hutchins waren 4 Briefe von Professoren in Chicago eingetroffen: von der Frau chairman, von Arnold Bergsträsser, Joachim Wach und Liepe, der eine Böhmschülerin zur Frau hat. – So füllt man seine Zeit aus. Mit der Vorbereitung der 3 Stunden, die ich in Comburg u. Stuttgart zu reden habe, komme ich gerade noch durch. Am 5.IV abends will ich wieder hier sein und für den 8.IV. abends habe ich im "Anker" in Überlingen bestellt (noch nicht bestätigt!) Das märchenhaft schöne Wetter wird ja nun wohl vorüber sein. Ich brauch aber "Sammlung."
Vorgestern ist die alte Excellenz Seitz in Seckenheim gestorben. Er muß gegen 87 Jahre geworden sein; sein letzter Brief Herbst 1948 war noch voll Teilnahme an allem. Helmuth v. Glasenapp, der mir die Nachricht brachte, ist hingefahren.
À propos: Du weißt, daß ich das Heidelberger Frühlingsklima nicht vertrage. Aber zu nächster Gelegenheit komme ich doch einmal, und dann in die "Rose". Du wirst Dich erinnern, das dieses Firmenschild uns schon einmal – in Ilmenau<li. Rand> zu unsrem Heile angezogen hat.
Innigste Wünsche und Grüße
Dein Eduard.

[re. Rand] Sonntag waren wir mit Wolfgang Herchenbach in Kreßbach, Eckhof, Dußlingen. Herrliches Wetter!