Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 11. April 1949 (Überlingen, Postkarte)


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<Poststempel: Überlingen, 11.4.49>
M. L!  Mein Zimmer hat - durch einen Baum – den Blick auf Wallhausen. Nach links sperrt Zollgebäude. Fahrt RottweilTuttlingen im Schneesturm. Von Radolfzell verschwommener Blick auf Reichenau etc. Ankunft hier 20 Uhr. Angenehmes Haus, ganz wie ich es brauche, eigentlich in dieser Jahreszeit geeigneter als R-au. Wie viel man doch v. Einzelheiten vergißt. Wir waren wohl oft zu erschöpft. Z. B. Stadtgarten entzückend. Samstag Schneesturm u. Sonne; 4°. Ich stieß nachm. in Richtung Salem vor, mußte aber, da zu weit, verzichten u. kam nur in den Wald hinter Birnau. Gestern einzigartiger Tag, allerdings noch kalt. Ich marschierte 14½ ab, am Bhf in die Höhe, war in 3 Stunden (mit Umwegen) auf den Steinpalmen, die ich für Ernst Jüngers Marmorklippen halte. Haldenhof, wo wir so vergnügt waren, ist jetzt vornehmes Restaurant bei alter Billigkeit. Wunderbare Farben, die ganze Alpenkette sichtbar, z. T. in Rot. Konnte bis 19.00 oben bleiben. – Die Rei zu erreichen ist schwer, weil Mainau wegen Wassermangel nicht angelaufen werden kann. Ich will es morgen als Tagestour von Dingelsdorf via LitzelstettenWollmatingen versuchen. Von Konstanz geht noch ein Dampfer 19.30 nach hier. Augen<li. Rand>blicklich verkehren nur 3 Dampfer u. 2 Züge am Tage. Viel kann man nicht
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| unternehmen. Kein Boot auf dem See. WallhausenBodman ganz unerreichbar. Gestern aber sah ich von oben Freudenthal u. Arenenberg (670 m.) – Es ist das 1. Mal seit 10 Jahren, daß ich wieder nach m. Stil reisen kann, und ich lebe geradezu auf. Teuer ist nur der Wein; aber ich leiste ihn mir: es ist – Weißherbst. Kein Verkehr; gestern Sonntag war ich der einzige, der für 30 Pf. von Sippl. nach hier fuhr. Auf den Dampfern sieht man 10–20 Mann. Jeder Schritt hier ist vom Gedanken an Dich begleitet.
<li. Rand>
Viel gute Wünsche u. Grüße Dein
Ed.