Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 14. Mai 1949 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

14. Mai 49.
Meine einzige Freundin!
Nur ein kurzes Briefchen heute. Deine Nachricht vom 3./6. Mai hatte mich recht erschreckt. Da Deine heute eingetroffenen Zeilen nichts mehr vom Mißbefinden sagen, möchte ich hoffen, daß es sich gegeben hat. Große Müdigkeit – ja, darüber klagen dies Jahr alle. Ich habe aus Sympathie in dieser Woche auch wieder mancherlei Beschwerden gehabt, u. a. den bei mir immer höchst störenden Schnupfen. Es arbeitet sich dann schlecht. Übrigens hast Du doch so viel Bekannte bei den Kliniken, daß Du dort auch einmal solche Indispositionen abmachen könntest. Hier gehen die Leute alle Augenblicke auf den Berg, und wer zu Hause keine Pflege hat, sollte doch – bei geeigneten Konnexionen – Aufnahme finden. Besser natürlich, wenn es nicht notwendig war – oder jetzt nicht mehr ist.
Du weißt, daß ich mit Plänen sehr zurückhaltend bin; denn sehr oft wird nichts daraus, und ich kann mich nicht lange vorher festlegen. Aber es ließe
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| sich wohl in der Woche nach Pfingsten ermöglichen, daß ich für 3 Tage – wohl Mittwoch bis Freitag – hier weg gehe. Am liebsten wäre mir ein Treffen in der Mitte. Denn sonst haben wir wieder nichts wegen der "Köchelei" und der Jagd nach den Elektrischen.x) [Kopf] x) und den langen Anwegen bis, bzw. nach Rohrbach. Notfalls, nur notfalls, auch Heidelberg. Kannst Du dort feststellen, ob sich in Wimpfen oder in Maulbronn schon wieder ein passables Gasthaus finden ließe? Jagstfeld kommt nicht in Frage, weil die Brücke Wimpfen – Jagstfeld noch nicht in Ordnung ist; aber ich könnte den kurzen Fußweg nach Wimpfen, der für die Verbindung notwendig ist, leicht machen. Höre Dich mal um.
Den Artikel von E. R. Curtius habe ich nicht gelesen, nur davon gehört. Schade, daß die Sache durch den Ton unwirksam geworden zu sein scheint. – Leese, ehemals Theolog, ist ao. Prof. d. Phil. in Hamburg. Theo ist beim Berliner Filmwesen und lebt in Wilmersdorf, nahe beim Rüdesheimer Platz, schon seit 1945. – Vater Morgner ist seit 1945 qua Nazi Bauarbeiter bei der Elbbrücke in Dresden, sehr tapfer. Dabei kommt nicht viel heraus.
Ich habe diese Woche eine unbeschreiblich schöne Dissertation über Fontane gelesen, mit <re. Rand> ebenso tiefer Bewegung, wie mit Hast. Es laufen allzu verschiedene Pflichten nebeneinander her. Morgen haben wir 5 Kaffeegäste – auch "Dienst". Frl. v. Kuhlwein ist erlöst (Krebs.) – Die Vorlesungen <li. Rand> laufen normal. Zu anderem kommt man nicht. Innigste Wünsche etc.
Dein Eduard.

[re. Rand] Verbindung nach Maulbronn von hier sehr zeitraubend.