Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 7. September 1949 (Tübingen)


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<Stempel: Prof. Spranger
(14b) TÜBINGEN
Rümelinstrasse 12>

7. Sept. 49.
Meine einzige Freundin!
Dies wird ein Terminkalender, kein Brief. Voraussichtlich kommen wir am Sonntag (11.9.) um 18.07. mit dem Dzug durch Heidelberg. Du weißt, daß ich von diesen flüchtigen Begegnungen nicht viel halte. Also mache Dir keine Mühe, sondern halte etwa schon getroffene Sonntagsverabredungen inne. Wir haben versucht, in Darmstadt ein Nachtquartier zu bekommen, und hoffen auf Erfolg.
Am 13.9. rede ich in Hannover (Kastens Hôtel); am 16. in Bremen, am 17. in Hamburg (Hôtel Walpuski, Warburgstr.) Überall sind große Schwierigkeiten der Zeiteinteilung zu erwarten, da viele alte Freunde zu berücksichtigen sind und uns schon jetzt bedrängen.
Ich bitte Dich nun, zu versuchen, ob Du für den 20. abends auf ca 4 Nächte in der berühmten Rohrbacher Rose
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| ein Zimmer für mich bekommen kannst. Wahrscheinlich komme ich erst am 21. vorm. Aber dann bezahle ich die Übernachtung [über der Zeile] 20/21. vorher, denn ich muß früh in das Zimmer hinein. Frühstücken werde ich im Gasthaus, und wir werden wohl auch gelegentlich dort essen. Leider habe ich diesmal in Heidelberg auch einiges Geschäftliche zu erledigen. (Schmeil u. andere.) Wenn Du das Zimmer a. a. O. nicht bekommen kannst, wende Dich an Hrn Schmeil, Bergheimerstr. 68. Er ist darauf vorbereitet und muß mir ein Quartier beschaffen. (Zusage gemäß!)
Der kleine Matussek war hier, hatte aber seine Zeit so eingeteilt, daß er nicht zum Abendbrot bleiben konnte. Ein bescheidener, lieber Mensch, der leider zu wenig aus sich herausgeht.
Auf der Autofahrt nach Ulm (2½ St.) haben wir in Blaubeuren Station gemacht (¼ St.), damit Susanne den Blautopf sehen konnte; für das Innere [über der Zeile] der Kirche blieb leider keine Zeit. In Ulm wohnten wir im Städt.
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| Hospiz, an der Donau. Es ist eines der wenigen, sehr bescheiden wiederhergestellten Häuser dort. Um ½ 8 waren wir bei Oberbürgermeister Pfitzers zum Abendessen. Sonntag konnte Susanne das Münster flüchtig sehen. Ich sprach vor 6–700 Leuten in drückend heißem Saal, mit Musik- und Blumendekoration. Unter den Prälaten und Herren, die mich nachher ansprachen, freute mich besonders Nieschlings alter Bursche, Charlottenburg 1910/11. Es folgte ein nobles Mittagessen, an dem auch der Erbauer der hies. Universitätsbibl. Prof. Bonatz, Ankara u. Oberstdorf, teilnahm, in der Ersatzbaracke des Bahnhofs. Rückfahrt 16 Uhr, an Tübingen 18½ bei großer Hitze.
Gestern war Käte Silbers Professor Bruford zum Kaffee bei uns. –  – soeben Martha Wais. Möglicherweise muß ich am Freitag noch nach Stuttgart zu Aufnahme eines Rundfunksgesprächs mit Ortega y Gasset (??) Zu meiner Arbeit komme ich so wie so nicht mehr.
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Was ist mit T. Nitsche geworden? In Heidelberg muß es schön heiß gewesen sein. Soeben ist hier Gewitter mit Regen.
Zum Terminkalender abschließend: Am 26.9. sind hier die ersten Prüfungen. Also werde ich wohl am 25.9. mittags zu Hause sein müssen.
Für heute nur diese "Festlegungen." Sorge dafür, daß Du recht munter bist, wenn ich komme, und verzichte von vornherein auf jede "Köchelei". Nicht dieser Töpfe, sondern unser beiden gemeinsamen Besuche des Blautopfes gedenkend, bin ich
in bekannter inniger Treue
Dein
Eduard.