Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. März 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6.III.1949.
Mein geliebtes Herz!
Ob Du heute das gute Wetter benutzt hast? Es ist wohl recht kalt, aber es scheint wenigstens kein starker Wink zu sein. Die bekannte Wetterfahne steht auf N.W., und das spüre ich durch die schlecht schließenden Fenster. Ich muß viel mit Sorge an Dein Befinden denken, und hoffe recht dringend, daß Du jetzt weniger von der Arbeit bedrängt bist. –  – Hier war ein Fastnachtstreiben, wie ich es sonst nur in München erlebte. Auch Matusseks haben ein wenig mitgemacht. Am vorigen Mittwoch waren sie dann wieder solide bei mir, und ich hatte Gelegenheit den Dr. nach Götze-Klaren zu fragen. Bei der Nennung des Namens winkte er gleich sehr energisch ab, sodaß ich nach genauerer Erklärung
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| fragte. Er sagte dann, daß er mit Dir schon davon gesprochen hätte, aber sich gescheut habe, Einzelnes zu erwähnen, weil es ihm wie Klatscherei vorgekommen wäre. Der Betreffende habe sich hier bei Weitzäcker und Jaspers herangemacht, und dann gegen ihn über die Herrn gesprochen, sodaß er ihm rund erklärt hätte: sagen Sie das doch den Professoren selbst, ich will das nicht hören. Es sei kein sachliches Interesse und Verständnis dahinter, nur Wichtigtuerei. Matussek hätte Dir das nicht so gesagt, weil er besorgt war, dem G.Kl. vielleicht Unrecht zu tun. Du würdest das ja selbst merken. Also sei sparsam mit deiner Bemühung für ihn!
Meine Bekannten haben alle die Notiz gelesen, daß Du nach London eingeladen seiest. Hast Du darüber schon eine Ent
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|scheidung treffen müssen? Von wem geht denn diese Einladung aus? Und wer ist der Andere aus Tübingen, von dem noch die Rede ist?
Ich habe von mir garnichts zu berichten. Meine Tage stehen unter dem Zeichen der Augenspiegelbilder; das zieht sich nun schon durch Wochen hin, weil die Sitzungen nur so selten sein können. Aber dazwischen muß ich möglichst viel "aus der Tiefe des Gemüts schöpfen". Immerhin ist doch jetzt ein Ende abzusehen, und das ist mir lieb, denn die Sache hatte mich ziemlich nervös gemacht. Im Ganzen hatte ich nun 5 Aquarelle und eine Tuschzeichnung zu machen. Wenn ich nur eine richtige Taxe für den Wert dieser Arbeiten hätte! –
Hier reden sie von eine schweren Erkrankung Stalins und knüpfen daran politische Hoffnungen. Solche Gerüchte gab es s. Z. auch von Wilhelm II. und von Hitler. Augenblicklich soll es wohl die Sorge vor dem Krieg vermindern. –
Ob Dir wohl das kleine Gebäck ein wenig
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| Freude machte, das eigentlich am 25. bei Dir sein sollte, aber leider verspätet kam? Ich denke, es ist wohl jetzt nicht mehr nötig, Postsachen eingeschrieben zu schicken. Nach Berlin schicke ich jetzt Luftpostbriefe, das kostet nur 5 <altes Pfennigzeichen> mehr, und da fallen ja die 2 <altes Pfennigzeichen> fort. – Der Gedanke Deines kleinen Artikels im Tagesspiegel kommt mir noch oft in den Sinn, denn es ist doch wie ein Stück eignes Leben, was da in Berlin vor sich geht. Können wir mit unsern intensiven Wünschen auch einen winzigen Beitrag zu einer günstigen Lösung beisteuern? Jedenfalls werden Deine Worte in dieser weit verbreiteten Zeitung den Willen zum Widerstand stärken und damit vielfältig helfen. Auf jeden Fall dürfen wir stolz sein, Berliner zu sein!
Die Sonntage sind bei mir immer besonders still und häuslich. Ich habe viel an dem letzten Aquarell herumgedoktert, und jetzt will ich noch an den Postkasten gehen, damit mein Gruß morgen früh mit fortgeht. Grüße Susanne herzlich und natürlich auch Ida. Es hofft auf gute Nachricht, [über der Zeile] und ist immer mit treuen Wünschen um Dich
Deine
Käthe.