Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 31. März 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg, 31.III.1949
Mein liebes Herz!
Kaum war mein Brief fort, da kam der Deine vom 25.III., der die verblüffende Nachricht über Krüger brachte. Die ganze Sache muß doch für ihn recht peinlich sein. Erst läßt er in Tübingen seine Verpflichtungen im Stich, und dann läßt er die Heidelberger sitzen! Womit hat er die Absage denn begründet? Matussek wußte gestern Abend noch nichts davon, er vermutet aber, daß er keine Wohnung bekam. Gleichzeitig stand nun in der Zeitung, daß Flitner angenommen hat. Hoffentlich macht der es nicht ebenso. – Ob ich mich für Dich freuen soll, daß der Kollege bleibt, weiß ich nicht recht. Hoffentlich ist es schließlich doch eine Entlastung für Dich!
Sehr gefreut habe ich mich über Deine angenehmen Eindrücke beim Stuttgarter Vortrag, hoffentlich wird es vom 1.– 5.IV. ähnlich! Gaupp war vor langen Jahren mal hier in Heidelberg und machte von sich reden. Ich habe ihn aber nicht gesehen.– Von Deinem damaligen Vortrag in
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| Stuttgart habe ich eigentlich garkeine rechte Erinnerung, nur ein unbestimmtes und unbefriedigendes Dunkel. Nicht ganz so stimmungslos, aber doch ähnlich war es in Kassel! Wie viel hängt doch in solchem Fall von Imponderabilien ab. Ich wünsche Dir herzlich, daß Du auf der Comburg eine recht freudige Bereitschaft findest!
Daß Du dann in der Charwoche wahrscheinlich nach Überlingen gehst, wird Dir hoffentlich die ersehnte besinnliche Ruhezeit bringen. Ich beschwöre den Himmel täglich, daß er die wundervolle Frühlingsstimmung jetzt nicht alle verschwendet, damit sie doch Dir noch zugute kommen kann. Es ist auch zu wünschen, daß dort keine guten Freunde auftauchen, die Dir durch höfliche Begrüßung lästig fallen. Der Bodensee ist ein beliebtes Ziel im Frühling. Und vielleicht hast Du selbst mal Lust, die Reichenau und den Mohren aufzusuchen, dann grüße auch von mir sehr herzlich. Es ist ein sonderbares Gefühl, daß diese unsere Welt so unzugänglich ist. Die augenblickliche günstige Lage meines Verdienstes täuschte mir die Möglichkeit vor, damit etwas Besonderes zu unternehmen.
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| Nun habe ich aber auch solche üppigen Gedanken aufgegeben und wende etwas an recht nötige Anschaffungen: Ein paar Schuhe und ein Rock, d. h. den Stoff dazu, aber das läuft zum Glück nicht so ins Geld, wie ein Herrenanzug!
Wie das eigentlich mit dem Nebelstreif über London zugegangen ist, habe ich nicht so recht begriffen und hätte mirs gern mündlich erklären lassen. Daß das Reisen ins Ausland mit unsern Devisen keine Freude ist, läßt einen wohl gern verzichten. Bei Frl. Schupp hörte ich, daß ein hiesiger hoher Beamter von ihr eine Empfehlung an ihre amerikanischen Verwandten erbat, da er zu einer offiziellen Reise nach Amerika aufgefordert ist. Er kann dort im Notfall Hülfe empfangen und das dann hier an die alte Dame zurückgeben. Auf diese Weise können die Verwandten ihr etwas schicken, was sonst technisch jetzt unmöglich ist. Und damit wird also beiden Parteien geholfen, und dem Vermittler auch.
Ich bin aber recht froh, daß Du nicht nach Amerika gehst, so sehr michs auch freut, daß man sich so um Dich bemüht. Was hat denn nur Goethe mit den Rocky Mountains zu tun?
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Du wirst ja keine Zeit haben, Briefe zu lesen, aber die Angabe der Adresse, so ausführlich mit Datum, war mir wie eine stille Aufforderung. Es ist auch das wieder seltsam, daß Du diese Angabe machtest; denn ich hatte gerade in letzter Zeit bei mir gedacht: früher hätte ich immer eine Anschrift bekommen, wenn Du auswärts warst. Und schon hast Du diesen Wunsch erfüllt!
Habe Dank dafür und überhaupt! Und sei von Herzen gegrüßt von
Deiner
Käthe.