Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. Juni 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Juni 49.
Mein liebes Herz!
Wenigstens einen Gruß zu Pfingsten möchte ich Dir doch schicken, wenn ich auch etwas knapp mit der Zeit dran bin. In Gedanken bin ich schon vorausgeeilt und beständig bei der Möglichkeit des baldigen Wiedersehens! Deine liebe Karte hat mich ganz besonders erfreut, denn sie meldete mir ganz das, was ich in der Stille gehofft hatte – daß Du einfach den Versuch mit Neckarblick machen würdest. Es ist ja die "Katze im Sack gekauft", aber ich dacht auch, es könne etwa so etwas sein wie Haus "Sonnwärts".Wenn es nur keine Geldschneiderei ist, und das Angebot ohne Preisangabe nur Ungewandtheit. –
Geld – ja da möchte ich Dir etwas zur Kenntnisnahme mitteilen, was mir im Augenblick Bedenken macht. Wegen der Soforthilfe bin ich immerfort auf der Lauer, um den Anschluß nicht zu versäumen. Da hat man mir nun auf der Bank gesagt,
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| es käme nur in Betracht für Leute, die von der Fürsorge unterstützt werden. Nun hat Frl. Schupp mir neulich sehr ernstlich zugeredet (ohne von dieser Tatsache zu wissen, die ohnehin nicht erwiesen ist) mich überhaupt um diese zu bewerben. Es sei ihr von beamteter Seite gesagt, sie solle doch nicht "zu den Dummen gehören, die sich davor scheuen; die Stadt sei doch verpflichtet für die Alten zu sorgen, die nicht mehr in der Lage wären, Ihren Unterhalt zu verdienen und die durch die W.R. alles verloren hätten." Zu denen gehöre ich ja allerdings, und ich wäre in bitterer Not, wenn Du mir nicht so großzügig helfen würdest. Soll ich mich nun an die Fürsorge auch wenden? Denn einen Ersatz für das viele Geld, das ich noch auf Bank und Sparkassen hatte, möchte ich doch durch die Soforthilfe nicht ohne Ersatz lassen. Darüber möchte ich mit Dir reden, und Du kannst vielleicht über die Lage der Dinge zuverlässige Auskunft haben. – Denke nicht, daß ich etwa geldgierig wäre, es wäre mir aber eine Beruhigung, wenn ich Dich auf diese Weise entlasten könnte. – Frl. Sch.
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| sagte mir, daß mehrere ihrer Bekannten, darunter eine auch mir bekannte Generalstochter Unterstützung bekämen. Heute ist auch ohne weiteren Antrag, bereits die Altersrente von selbst von 37 Mark auf 53 erhöht ausgezahlt. –  –
Das ist nun recht nüchtern, daß ich Dir das als Pfingstgruß schreibe, wo doch eigentlich in meinem Herzen nur die Vorfreude auf das verheißene Beisammensein herrscht. Die Sorge um ein geeignetes Unterkommen für Dich ist ohnehin ein kleiner Schatten auf dieser hellen Aussicht. Hoffentlich sagt man aus Wimpfen zu und es ist auch das Richtige.
Hier las ich gestern in der Zeitung, daß im Hotel Post-Reichspost wieder Deutsche wohnen können. Wäre Dir das für den Fall, daß wir hier bleiben müssten, lieber als die Rose? Es wäre dann für Dich nicht die Fahrerei mit der Elektrischen. Aber bestellen kann ich ja nichts, ehe ich nicht weiß, wie sich die Sache entwickelt. So war es auch mit Wimpfen, weil Du es unbestimmt gelassen hattest, ob Du fortkönntest.
Hoffentlich ist das Wetter einigermaßen.
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| Du wirst aus der Zeitung wissen, welch ein Wolkenbruch uns heimsuchte. Die Peterstraße war ein reißender Bach und in meinem Kohlenkeller stieg das Wasser etwa ¼ m. Ich habe noch am Tage danach eimerweise ausgeschöpft und der Schlamm ist garnicht zu entfernen, da der Boden nicht gepflastert ist. Zum Glück haben mir die Mitbewohner die weniger betroffen sind, freundlich geholfen.
Wie hat sich Eure Ammer bei diesen Güssen benommen? Sie kommt ja zum Glück nicht bis zu Euch herauf. –
Von Berlin hatte ich einen freudigen Brief vom Himmelfahrtstag. Leider konnte ich die Hoffnung auf dauernde Besserung nicht teilen, aber die augenblickliche Erleichterung freute mich sehr. Und ebenso erfreulich war mir ein lieber Brief von Cilli, der gleichzeitig mit Deiner Karte meinem Herzen wohltat.
Und in dieser Stimmung will ich den festlichen Tagen entgegen sehen, die für mich an Mittwoch beginnen sollen. Wie sehne ich sie herbei! Sei innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.

[] Herzlichen Gruß auch den Anderen!