Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. Juni 1949 (Heiligkreuzsteinach, Postkarte)


[1]
|
<KH schreibt irrtümlich den 17. Juni; der Poststempel ist aber vom 15.6. und ES nimmt schon in seinem Brief vom 17.6. Bezug auf diese Karte>
Heiligkreuzsteinach. 17. Juni 1949. M. l. H.
Auf Veranlassung von Rösel sind wir heut um 9 Uhr mit dem Heidelberger Postauto auf den Schriesheimer Hof gefahren und von dort mit kleinen Unterbrechungen über Heubach zum Lamm in H.Kr.st., wo wir ein ländlich üppiges Essen bekamen. Es ist eine Gegend, die mir allenthalben von Erinnerungen lebt, besonders oben am Schriesheimer Hof. Es ist überall überwältigend schön in strahlender Beleuchtung. Jetzt ist Mittagspause an einer heuduftenden Wiese, Rösel im Gras, ich auf einer harten Holzbank. Immerfort gehen Menschen talauf und ab, teils feiertäglich, teils mit Heugabeln. Vorhin bin ich bei dem stillen Rauschen der Bäche auf der unbequemen Bank eingeschlafen. – Das Zusammensein mit Rösel ist gemütlich und wir finden beide, daß eben doch Heidelberg und Umgegend von unerreichter Schönheit ist. Wälder und Ausblicke wechseln und es gibt auf diesen relativ unbekannten Wegen stets neue Überraschungen. – Wenn wir doch solches Wetter in W. gehabt hätten! Von den Erlebnissen der beiden letzten Tage habe ich allerlei zu berichten. Morgen bekomme ich vom Weißen Haus Kirschen zum Einmachen. So geht der Alltag weiter. Von Maria Dorer kam ein Brief aus der Bahn von der Heimfahrt von Schönwald, nur ein Gedenkgruß. Sie ist erstaunt, daß Krüger nicht nach Heidelberg kam. – Ich wollte, diese Karte brächte Dir etwas von dem Feiertagsfrieden, der mich hier umgibt. Überall begegnen einem die kleinen weißgekleideten Mädel mit den bunten Kränzchen. Ich denke dabei an die drei unter den Blütenbäumen der Reichenau.
[2]
|
Nun wieder in H. nach einer flotten Autofahrt über Wilhelmsfeld Ziegelhausen. Der Aufenthalt den ganzen Tag in der herrlichen Waldluft von über 400 m. Höhe war sehr wohltuend. Die Schwüle ist ganz vorbei und es scheint nun wirklich Sommer zu sein. Ich hoffe, Du hast die unbequeme Rückreise und alle unvermeidlichen Mängel gut überstanden und verschmerzt. Ich denke bei allem Schönen an Dich und grüße Dich herzlich. Auch Gruß den beiden Hausgenossen.
Getreulich Deine Käthe.