Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 23. Juni 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg. 23. Juni 1949.
Dir, mein liebes Herz,
die innigsten Wünsche zum Geburtstag für Gesundheit und frohe Erfolge der unermüdlichen Arbeit. Du hattest versprochen, meine Frage nach einem zu erfüllenden Wunsch zu "beschlafen", ich bekam aber keine Auskunft darüber. Vielleicht war der Schlaf nicht so tief wie meiner in Wimpfen? So mußt Du Dir schon etwas Ungewunschenes gefallen lassen, und ich hoffe, es gefällt Dir wirklich. Mir ist es etwas sehr Liebes, diese kleine stimmungsvolle märkische Landschaft von Herrn Lütke, einem sehr begabten Hylograph in Pankow, den ich von Kindheit auf kannte, und bei dem ich den ersten Unterricht im Landschaftzeichnen hatte. Er rühmte sich, von Menzel wegen seiner Holzschnitte gerühmt zu sein. Seine Liebhaberei war die Jagd, aber nicht, um zu schießen, sondern um die Tiere des Waldes zu belauschen.
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| Vielleicht hast Du noch irgendwo ein Plätzchen für das kleine Bild. Ich schicke das Päckchen am Freitag und hoffe, es kommt rechtzeitig. Ein Brief folgt noch.
Die Federn sind aus Heiligkreuzsteinach. Weißt Du nicht mehr, daß Du damals beim Hören dieses Namens dachtest, das sei ganz sträflich geflucht? Das möchte man wohl manchmal ernstlich tun, wenn man sich nicht immer wieder beherrschte.
Ich wünsche Dir recht, recht viel freudige Eindrücke, die Dich alles Unliebsame vergessen lassen und einen freien Sinn, alles Gute zu empfinden und daran Kraft zu gewinnen fürs neue Lebensjahr.
In treuer, immer gleicher Liebe
Deine
Käthe.