Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. Juni 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg, 25.VI.1949.
Mein liebes Herz!
Womöglich noch mehr als sonst werden meine Gedanken am 27. bei Dir sein und Dich mit treuen Wünschen ins neue Lebensjahr begleiten. Viele Menschen werden Dir ihre Verehrung und Dankbarkeit und Liebe bezeigen, aber niemand ist doch in der tiefsten Seele Deinem Leben so verbunden, wie ich in aller Stille. Ich habe das Gefühl, daß ich in Wimpfen dafür nicht den gewohnten Ausdruck fand. Aber mein Herz war mit innigem Verlangen offen für alles, was Du mir von Deinem Erleben und Denken mitteiltest. Das gab meinem hier so einförmigen Dasein wieder Wärme und Bewegung. Und Dein lieber Brief vom 17. Juni setzt das in tröstlicher Weise
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| fort. Er berührt Fragen, die mich oft beschäftigt haben, und die mich betrüben würden, wenn ich nicht fest glaubte an eine vorbestimmte glückliche Lösung. Du beklagst Dich, daß Deine Tage von tausend drängenden Pflichten ausgefüllt werden, die Dich eigentlich von wichtigeren Absichten zurückhalten. Aber die Pflichttreue, mit der Du auch diese kleineren Dinge erledigst, geben Deiner Lehrwirkung einen Nachdruck, der durch nichts zu ersetzen wäre. Die Jugend spürt diesen Geist, wenn sie auch das Maß an treuem Opfersinn nicht abschätzen kann.
Und im übrigen hoffe ich bestimmt, daß das Schicksal, das Dich durch so große Fährnisse noch gnädig hindurchgeführt hat, Dir auch noch die Möglichkeit bieten wird, mit gutem Gewissen auch dem zu leben, was Du – und gerade
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| nur Du – dem deutschen Vaterland an eigenen Resultaten zu geben hast.
Das Dir durch all die Zeichen der Liebe, die Dir der Geburtstag bringen wird, diese Gewissheit recht unbetrübt bewußt werde, ist mein inniger Wunsch. Und sonst – immerdar!
In Dankbarkeit und treuer Liebe
Deine
Käthe.