Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 17. Juli 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg, 17.VII.1949
Mein liebes Herz!
Einen kurzen Gruß möchte ich Dir doch wenigstens heute am Sonntag noch senden. Wie froh wäre ich, wenn ich gewiß sein könnte, daß Du relativ wohl bist, und daß die Hitze Dir bekommt. Die arme Susanne wird recht darunter leiden. Es war so lieb von ihr, mir mit ihrem Brief über die lange Pause in Deinen Nachrichten ein wenig fortzuhelfen. Denn wenn meine Gedanken Dich auch so zu sagen beständig "umkreisen", so braucht man eben doch immer mal wieder greifbare Vorstellungen von dem was vorgeht. Nach Deiner lieben Karte vom 8. Juli aber wäre ich beinahe etwas beunruhigt über Dein Befinden gewesen.
Inzwischen habe ich die hiesige Goethefeier
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| der Universität vollständig mitgemacht und war besonders von der Rede des Prof. Buchwald sehr beeindruckt. Auch Flitner habe ich gehört. Er wurde vom Rektor warm begrüßt und man dankte extra, daß er zwei schlaflose Nächte geopfert habe, um den Vortrag zu halten. Möglich, daß er infolge davon etwas matt erschien. – Am Freitag war dann noch eine Schlußfeier in großer Aufmachung mit Gesang (Grenzen der Menschheit) und Orchester, Rezitation, und Reden vom Rektor Geiler und Böckmann. Das war eigentlich zuviel auf einmal und ließ das Einzelne nicht gebührend zur Geltung kommen, obgleich jedes an sich wertvoll war. Und nun warte ich mit Sehnsucht bis mir Deine Rede im Druck zugänglich wird – als Höhepunkt.
Es hat mich heute eine kolossaler Schnupfen überfallen, deshalb ging ich noch gegen Abend den oberen Panoramaweg, wo wir damals bei unserm beiderseitigen Auszug saßen. Es war wieder ein schöner Blick über die Ebene. Meine Augen sind doch noch recht brauchbar: alle vier Spitzen der Türme <li. Rand> vom Speyerer Dom waren zu unterscheiden! Und alles ist beziehungsreich!
<Kopf> Ich grüße Dich innig und hoffe auf gute Nachricht. <Fuß S. 1> Herzliche Grüße auch an Susanne. –  – Wann ist die Goethefeier bei Euch? Du sagtest es in Wimpfen, aber ich kann keine Daten behalten. <li. Rand S. 1> Mir schwebt was vor vom 29. – ? In Liebe und Geduld
Deine Käthe.