Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. August 1949 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg, 7. Aug. 1949.
Mein liebes Herz!
Eigentlich wollte ich Euch in Scheidegg mit einem Briefe begrüßen, aber das blieb, wie so manches Andere, gute Absicht. Jetzt will ich aber doch den geliebten, stillen Sonntag benutzen, um wenigstens den Anfang zu machen. – Den ganzen Freitag bin ich mit einem frohen Gefühl umher gegangen in dem Bewußtsein, daß nun endlich einmal wirklich Ferien für Dich angefangen haben. Und es war auch ein wunderschönes Ferienwetter, strahlende Sonne bei kühlem Wind, während jetzt schon wieder drückende Hitze einsetzt. Doch hoffe ich, daß die Scheidegg, die ich so oft schon rühmen hörte, auch die Möglichkeit schattiger Waldwege bietet. Nach der üblichen letzten Anstrengung vor der
[2]
| Reise, werdet Ihr nun wohl schon etwas eingelebt sein und ein Gefühl von Ruhe genießen. Ich bin gespannt, ob Du dort allerlei neue Möglichkeiten zum Wandern und Stillsitzen entdeckst.
Dein letztes Schreiben (vom 27.7) hat sich mit meinem Brief und der Rücksendung des fröhlichen Gedichts von Hillgenberg gekreuzt, und die Nachricht darin über die erneute Erkrankung von Krüger hat mich recht verstimmt, weil es Dich noch mehr als nötig belastet. Was fehlt ihm denn, daß er immer zur Examenszeit versagt?
Inzwischen habe ich nun zwei überraschende Päckchen von Susanne bekommen, der ich vorläufig durch Deine Vermittlung herzlich danke. Die "Leckerbissen" werden gute Verwendung finden und die nützlichen Pappen hatten eine höchst interessante Beigabe! Ich
[3]
| habe das so gewissenhaft geführte Buch eifrig durchgeblättert und mich an dem gründlichen und selbstgewissen Urteil des Dreizehnjährigen erfreut. Wie viel später bin ich zu einem mehr als gefühlsmäßigen Standpunkt zur Musik hinaus gekommen! Diese Aufzeichnungen paßten sehr nett zu den musikalischen Dichtungen der Hanna Nagel.
Seitdem ist bei mir der Tag wieder ganz einförmig verlaufen. Die große Unternehmungslust rächte sich durch vermehrte Müdigkeit und es gab auch allerlei nötige prosaische Arbeit. Nur Abends beschloß ich regelmäßig den Tag mit möglichst eingehender Lektüre der "Metamorphose der Pflanzen". Das möchte ich mal mit den entsprechenden Abbildungen illustrieren können! –
An Immenstadt denke ich nicht sehr gern, Du warst damals so besonders erschöpft. Aber daß Ihr Bork dort treffen werdet, freut
[4]
| mich. Für ihn habe ich eine Vorliebe. (s. Festschrift.) Wird das gleichzeitig mit Litt sein? Das wäre wohl besser getrennt.
Von Hanna Heraucourt wollte ich Dir noch schreiben, daß man sie nur mit großer Sorge ansehen kann und sie mit dem Schicksal hadert, das ein so gutes und tüchtiges Menschenkind so grausam quält. Alle ärztliche Behandlung will nicht helfen und verursacht nur vermehrte Schmerzen. Es ist traurig zu sehen, wie dieser relativ junge Mensch sich nur mit äußerster Energie aufrecht erhält.
Etwas Besseres aber möchte ich zum Schluß noch melden, das ist das Verhältnis mit Trudel Nitsche, die in einer ernsthaften Lebenskrise etwas zugänglicher im täglichen Verkehr ist. Möge es vorhalten!
Und nun noch innige Grüße mit lauter guten Wünschen für gedeihliche Ferientage!
Deine
Käthe.

[5]
|
Was soll man wählen?
?