Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. September 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg. 15. Sept. 49
Mein liebes Herz!
Du hast mir durch Deinen Terminkalender so schön ermöglicht, Dich in Gedanken auf Deinem abwechslungsreichen Wege zu begleiten, und davon möchte ich Dir doch mit einem schriftlichen Gruß Zeugnis ablegen. Viel zu lesen wirst Du garkeine Zeit haben und was sollte ich Dir auch Interessantes berichten! Aber danken möchte ich Dir für das hübsche Büchlein, das von Quelle und Meyer kam und in dem ich sogleich wenigstens die Vorrede las, und dann mich wieder in Abschnitt I erstaunte über das wie zufällige, tastende Entstehen einer Einrichtung, die man gewohnt ist als etwas so Selbstverständliches, Lebensnotwen[über der Zeile] diges für den Staat zu betrachten. –
– Was wirst Du mir alles von den
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| Eindrücken dieser Tage zu erzählen haben! Vor allem hoffe ich für Dich auf verständnisvolle Hörer bei den Vorträgen, und dann wünsche ich Dir auch gelegentlich mal eine besuchsfreie ruhige Stunde still für Dich. Wie schwer das hält, sagt mir heute mal wieder ein Brief von Maria Dorer, die Dich auf der Rückfahrt aus Norddeutschland womöglich sehen möchte, mindestens am Zuge, da sie ganz nahe an der Bahn wohnt. Ich mag da nicht mich ungefällig zeigen, und ich hoffe, es ist Dir recht, wenn ich ihr schreibe, voraussichtlich kämst Du am Mittwoch, den 21. abends, 19.31–19.34 durch Darmstadt. Du hast sie doch gern und es geht schnell vorüber, nicht wahr? Deine eventuelle Zustimmung abzuwarten bleibt keine Zeit.
Hier in Heidelberg um 20.39 gedenke ich am Bahnhof zu sein und Dich in
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| Empfang zu nehmen. Möchte die Sonne für Dein Hiersein ebenso freundlich leuchten, wie sie es jetzt noch immer täglich tut.
Vorhin bin ich nach vielen Wochen mal wieder spazieren gegangen, und zwar nach Heidelberg mit Frau Buttmi, den Philosophenweg [über der Zeile] Panoramaweg, an dem wir 1946 am 13. Juli zusammen im Grase saßen und – Pfälzer Wein tranken. Es war wohl ein gewisser Galgenhumor dabei, aber es war doch eine sehr schöne Stunde. Du warst einer unerträglichen Lage entgangen und ich vergaß mein Mißgeschick über der Freude, Dich zu sehen.
In solchen Geiste erwarte ich Dich wieder und hoffe, es soll hier wieder heimatlich wohl sein im lieben Heidelberg.
Grüße Susanne herzlich.
Wie immer
Deine
Käthe.