Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. September 1949 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27. Sept. 49
9 Uhr abends.
Mein liebes Herz!
Soeben ist Frau Buttmi fortgegangen, die ich mit einem guten Obstsalat aus Äpfeln und Orangen bewirten konnte, die Du verschmähtest. Ich glaube aber, in dieser Form hätte es auch Deinen Beifall gefunden und es ist meine Schuld, daß ich nicht rechtzeitig an diese Möglichkeit dachte. Ich mache mir überhaupt manche Versäumnis zum Vorwurf und ich hätte doch so gern alles recht behaglich für Dich gemacht! Aber der Himmel hat ja alles Fehlende ausgeglichen und Du bist geduldig gewesen bei allen Unzulänglichkeiten äußerer und innerer Art. Und so waren diese Tage wirklich ein Nachsommer, ein Nachklang glücklicher Zeiten. Nur schwer habe ich mich wieder in den nüchternen Alltag zurückgefunden, denn es war ja, als sei in dieser sonnigen
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| Welt all die Not für eine Weile von uns abgefallen. Wie schnell war mir Deine Gegenwart wieder zur lieben Gewohnheit geworden und ich meinte gestern noch immer ich müßte Dir auf der Straße begegnen! Um 8 Uhr früh war der Brief bei Quelle u. Meyer abgegeben und um 8 Uhr 40 hatte das Gesuch abgeliefert. Auf dem Rückweg fragte ich bei Gunzerts an, wo keine gute Nachricht über den Patienten in Hindelang gekommen war. Es hatte sich eine Lungenthrombose eingestellt. Hoffentlich wendet es sich noch mal zum Besseren. Elsbeth ist natürlich hingefahren.
Wie bist Du denn gereist? Hat alles gut geklappt? Ich hoffe, Du hast Dich in Stuttgart nicht so "schlecht hin gesetzt"", wie hier. Es waren viel bessere Abteile im Zuge. Und zu Haus? War Ida mit einem guten Kaffee bereit? Du hattest ja so wenig zu essen mitgenommen, daß Du entschieden Hunger leiden mußtest.
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| Und ich mußte gestern und heute üppig leben, damit das Dir Zugedachte nicht verdarb. – Du bist nun schon täglich dabei die Prüflinge unter Dein Seciermesser zu nehmen und die Reise liegt weit hinter Dir. Ich war so froh, daß Du so befriedigt und relativ wohl von der anstrengenden Sache kamst und die Tage der Ruhe hier haben hoffentlich alle Übermüdung ausgeglichen. Es war doch so wunderbar schön und hat mir ein tiefes Glücksgefühl gegeben. Dafür danke ich Dir mehr als ich sagen kann.
Die Temperatur ist viel kühler geworden, aber der Himmel wird immer wieder klar. Es ist entschieden weniger Elektrizität und Schwüle in der Luft, und die Sonne scheint wie sonst. Aber mir scheint sie weniger hell zu sein als bei Deinem Hiersein. Ich bin ja auch wieder viel mehr in meinem kühlen Nordzimmer. Die Tage mit Dir so viel im Freien waren wie eine Sommerfrische. Sie sind nur garzu schnell vorüber gegangen. Ich habe mit Wonne gespürt, welche Freude Du
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| wieder an unserm lieben Heidelberg hattest, und das läßt mich hoffen, daß Du solchen Abstecher mal wieder machst. Es hat sich ja gezeigt, daß es sich technisch ganz erträglich einrichten läßt.
Hoffentlich ist auch Susanne recht befriedigt aus Alpirsbach zurückgekommen und hat noch genügend Anteil an dem Berg der angesammelten Postsachen vorgefunden. Sage ihr herzliche Grüße und nimm Du selbst vielen innigen Dank und treues Deingedenken von
Deiner
Käthe.