Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 21. Februar 1950 (Tübingen)


[1]
|
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
RÜMELINSTR. 12>

21. Februar 1950.
Meine einzige Freundin!
Du mußt jetzt sehr viel Nachsicht mit mir haben. Ich komme mit den dienstlichen Anforderungen kaum noch durch. Es gäbe sehr viel zu erzählen. Aber ich will, mit den notwendigen Vorbehalten, nur Folgendes sagen.
Für den 27. Februar ist eine Besprechung des Präsidiums der Goethegesellschaft in Wiesbaden angesetzt. Die Realisierung hängt noch davon ab, ob die Weimaraner rechtzeitig die Interzonenpässe bekommen. Ich würde bis zum 1. März früh in Wiesbaden bleiben und auf der Rückfahrt in Heidelberg mindestens eine Nacht bleiben. Das Nähere schreibe ich noch. Meine Dispositionen hängen auch von Prüfungsterminen hier ab, die mir noch nicht bekannt sind. Das wäre dann so eine Art von nachträglichem Geburtstagsbesuch. Hoffentlich glückt er. Übrigens fahre ich ja zum 24.III wieder nach Bremen. Wenn es also – wider Erhoffen – jetzt nicht klappen sollte, so müßte es dann glücken.
[2]
|
Leider wirst Du zum 25.II, obwohl ich mit ganzer Seele bei Dir sein werde, mit einer Karte vorlieb nehmen müssen. Von meinem Fleiß hängen ja viele Schicksale ab. Ich habe jetzt 66 Arbeiten zur Dekanabprüfung zu lesen.
Übrigens habe ich mit dem Administrateur Entz, der Dich ja wohl besucht hat, jetzt regelmäßig zu tun. Gestern gab er dem "Kulturrat" ein Mittagessen mit viel Alkohol, was mir den halben Arbeitstag verdorben hat.
Susanne wird demnächst Frl. Héraucourt in Reutlingen besuchen. Am 24.II schließen die Vorlesungen – endlich. Morgen ist die 53. Vorlesung!
Ich denke immer daran, wie es Dir geht. Du wirst mir nicht zürnen, daß jetzt so wenig Sichtbares von mir zu Dir kommt.
Mit innigen Wünschen
stets Dein getreuester
Eduard.

[li. Rand S. 1] Es ist nicht sicher, daß mein Zug nach Wiesbaden über Heidelberg führt.