Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 18. Mai 1950 (Tübingen)


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Himmelfahrt 1950.
Meine einzige Freundin!
Ich bin ein bißchen in der Arbeit und in der offiziellen Briefschreiberei untergegangen.
Man weiß nicht, ob man sich über den Familienzuwachs bei Hermann freuen soll oder ob die Sorgen die Freude erdrücken. Wir waren schon einmal in vergleichbarer Lage, als Paul und Liez heirateten. Möge es diesmal so ausgehn, daß das Kind in seinen frühesten Jahren nicht Mangel an Elternliebe zu leiden hat! – ¹) [li. Rand] ¹) Ich habe keine direkte Nachricht erhalten!
Eigentlich habe ich Anfang dieses Monats damit gerechnet, an dem Tage, wo dieser Brief ankommt, in Heidelberg zu sein. Hellpach hatte mir von der öffentlichen Sitzung erzählt, die am 20./21. Mai stattfindet. Als Mitglied der Akademie hätte ich eigentlich eingeladen werden müssen. Daß aber die Einladung erst gestern [über der Zeile] (!) kam, hat mich verstimmt. Wie soll man sich da noch ein Zimmer sichern? Ich werde ein bißchen Beschwerde führen.
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Für uns beide wäre ja nicht viel dabei herausgekommen, und für mich wäre es deshalb ein bißchen viel geworden, weil ich am Montag 22. Mai schon wieder nach Stuttgart muß, um dort in der Montagsgesellschaft zu reden (18 Uhr.) Am Dienstag um 8 aber ist wieder Kolleg. Nun möchte ich fragen, ob Du Dir zutraust, auf folgenden Plan einzugehen, der allerdings "kein vollwertiger Ersatz" ist. Wir könnten uns am Donnerstag (1. Juni) nach Pfingsten in Maulbronn treffen. Für die Züge, die ich herausgesucht habe, kann ich noch keine volle Garantie leisten. Sie sind so gewählt, daß [über der Zeile] Du daraus keine zu große Anstrengung erführest, die als Nachwirkung zu fürchten wäre. Es ist ja auch eine Wetterfrage. Am Abend vorher habe ich in Waiblingen zu reden. Daher kann ich so früh von Stuttgart abfahren. Überlege Dir die Sache einmal. Das Beigelegte ist nur ein "Einstweilen". Für die Auffüllung wäre auch eine baldige persönliche Begegnung erwünscht.
Sonst möchte ich "mich heute nicht in die Länge ziehn". Nächste Woche
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| werde ich nicht weniger als dreimal in Stuttgart sein. Dafür ist allerhand vorzubereiten.
Ich erwähne nur, daß Kippenberg im ganzen wieder gesund ist und gleich mit gewohnter Autokratie alles lenken möchte. Diesen Dualismus werde ich aber nicht mitmachen. Ich habe in der Zwischenzeit genug und überwiegend unerfreuliche Arbeit mit der G.G. gehabt.
Am letzten Samstag waren wir in Herrenberg; es war aber ein halb verpfuschte Unternehmung.
Die Vorlesungen florieren bei sehr starkem Besuch. 5 Stunden Vorbereitung für 1 Stunde ist freilich das Minimum. Trotzdem ist die Erleichterung um 1 Vorlesungsstunde angenehm zu spüren.
Ich darf also in Erwartung Deiner geschätzten Willensmeinung für heute schließen. Die Wünsche, mit denen ich täglich an Dich denke, sind Dir bekannt. Alle lassen herzlich grüßen
Innigst Dein
Eduard.