Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Juni 1950 (Tübingen, Postkarte)


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29.6.50.
M. L!   Damit Du nicht über Sonntag vergebens wartest, schreibe ich wenigsten eine Karte. Deine beiden lieben Briefe und die Bilder von Maulbronn (in schöner Umrahmung) waren natürlich der Höhepunkt des 27.6. Jede öffentliche Kundgebung unterblieb, weil ich es mir verbeten hatte. Nur Oelrich hat einen schönen Artikel geschrieben (als Drucksache, die ich zurückerbitte.) Es kamen 18 Besucher, zuletzt Wenkes. Eine Fülle von Blumen und mehr Briefe, als ich – bisher auch nur im Lesen – bewältigen kann. Abends um ½ 9 wurde in der Fakultät, natürlich ohne mich, mein "Fall" verhandelt: der Dekan hat mir einen so schönen Brief geschrieben, daß mein "Ja" eigentlich schon entschieden sein muß. Bei Nicolai Hartmann liegt die Sache im Moment übrigens ebenso. – Es waren jetzt so viel Vorträge Auswärtiger und anschließend Besuche, daß wirklich schwer durchzukommen war. Daher eben noch kein Brief. Sonntag werden Hillgenbergs u. wohl auch Nieschling kommen.
Deine Seuchenkarte muß sehr interessant sein. Laß Dir aber Zeit, das
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| ist ja wohl keine so eilige Sache. 1937 feierte ich in der Hauptstadt Koreas, die jetzt gefallen ist. Die Sache sieht brenzlich aus, ist aber vielleicht vom Westen her so gewollt (?) Senzoku hat ein Telegramm gesandt u. Kotsuka hat sogar geschrieben. Ich habe heute Abend um 20 noch Sitzung und muß daher abbrechen. Wahrscheinlich komme ich um den 2. August mal wieder durch Heidelberg. Viele innige Wünsche u. tausend Dank für alles!
Stets Dein Eduard.